Ein tierquälerisches Standardverfahren könnte bald international abgeschafft werden, nämlich die Bestimmung jener Dosierung neuer Chemikalien und Pharmazeutika, die jeweils die Hälfte aller Versuchstiere tötet, die LD50 = letale Dosis für 50 Prozent der Tiere. Laut Nature (Bd.341/89, S.680) beruht diese Hoffnung auf einem neuen, deutlich weniger Tiere verschleißenden Verfahren zur Toxizitätsermittlung, das die EG-Kommission kürzlich positiv beurteilt habe. Es sei vereinbart worden, die Bestimmung von LD50-Werten künftig zu stoppen. Bisher ist es Vorschrift, diese Daten vor der Anwendung von neuen Arzneien oder Chemikalien zu ermitteln, um deren Giftigkeit und Umweltgefährlichkeit besser einschätzen zu können. Hierzu mußten jeweils mehrere Tiergruppen mit verschiedenen Dosierungen traktiert werden. Das neue Verfahren bedarf nur einer einzigen, festen Dosierung. Schweden und die Schweiz haben ihm bereits zugestimmt, nun müßten noch Japan und die USA überzeugt werden. Dieses sei nicht mehr eine Frage der Wissenschaft, sondern der Politik. HST

Einen neuen Brutreaktor entwickeln die Argonne National Laboratories bei Idaho Falls in den USA. Er soll wesentlich sicherer, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher sein als alle Vorläufer. Der künftige Integral Fast Reactor (IFR) soll stets gleich viel nuklearen Brennstoff erzeugen wie er verbraucht. Dadurch entfallen Brennelementwechsel, die viel Zeit und Geld kosten. Andererseits würden die Sicherheitsrisiken sinken, da beim IFR „neuer Brennstoff nie herein- und Abfall nie heraustransportiert werden muß während der gesamten Laufzeit“, heißt es in einem Forschungsbericht der Argonne Laboratories. Die metallischen Brennelemente des IFR sollen bei einem eventuellen Kühlmittelverlust den Reaktor automatisch abschalten: durch die Erhitzung dehnen sie sich aus und dies unterbricht die nukleare Kettenreaktion. Selbst wenn die Hüllen der Brennelemente Risse bekommen, dann geht kein Brennstoff in das Kühlmittel über. Absichtlich angebrochene IFR-Brennelemente blieben in einem 200tägigen Test funktionstüchtig, die Risse vergrößerten sich nicht und es gab keine Leckagen. Auch die Wiederaufarbeitung soll umweltschonender sein. In Idaho Falls entstehe bis Ende 1990 eine Anlage, die im Großmaßstab eine Aufarbeitung der Brutelemente erlaube. Nach einem neuen Verfahren würden aus dem nuklearen Abfall auf elektrolytischem Wege jene Stoffe extrahiert, die besonders lange strahlen (vornehmlich Transurane) und deshalb bei der Endlagerung problematisch sind. Sie sollen dann in den Brennelementen erneut genutzt werden. Dadurch reduziere sich das Volumen der kritischen, extrem lange lagerbedürftigen Abfälle auf wenige Prozent der ursprünglichen Menge. Inzwischen beteiligen sich auch japanische Elektrizitätsversorger finanziell an den Forschungen, um sich den Zugriff auf diese Technik zu sichern. HST