Von Karlheinz Dederke

Die Novemberrevolution 1918 war für Hitler und seine „alten Kämpfer“ das Trauma ihres Lebens. Sie glaubten an die Legende vom Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Truppe, von Deutschlands Niederlage durch den Aufstand des Proletariats. Nur wenn die Arbeiter für die Nation gewonnen waren und die klassenlose Volksgemeinschaft alle Deutschen verband, konnte der zweite Anlauf auf die Weltherrschaft erfolgreich sein. Beim Machtantritt 1933 hielt ein großer Teil der Industriearbeiter noch zu ihren Organisationen – SPD, KPD, Gewerkschaften – und mußte erst gewonnen werden. Diese Aufgabe übertrug Hitler seinem Stabschef Ley. Er konnte sich auf dessen Treue und seinen Glauben an den Nationalsozialismus verlassen, wußte auch, daß der promovierte Chemiker aus bürgerlichem Milieu kein Feind der Unternehmer war und der ehemalige Gauleiter von Rheinland-Süd als freimütiger und volkstümlicher Redner Arbeiter beeindruckt hatte.

Nach 1945 erfuhr Ley eine eher abschätzige Beurteilung, wurde als Reichstrunkenbold und Faselhans belächelt. Auch die historische Forschung hat sich seiner nicht wie anderer Nazigrößen zu Studien angenommen, schien er doch über kein nennenswertes Machtpotential wie Himmler oder Göring zu verfügen und die von ihm geleitete Deutsche Arbeitsfront (DAF) ein aufgeblähtes Gebilde ohne Gesicht und Gewicht zu sein. Erst heutzutage mit dem verstärkten Interesse an der nationalsozialistischen Sozialpolitik, an den sozialrevolutionären Ideen der Bewegung und den Kontroversen um den Modernisierungseffekt der NS-Herrschaft beginnt sich das zu ändern. Der amerikanische Professor Ronald Smelser, bisher hervorgetreten durch Untersuchungen zur NS-Volkstumspolitik, leistet auf diesem Gebiet Pionierarbeit, indem er sich gleichermaßen der vernachlässigten Vita Leys und der bisher nicht im Zusammenhang dargestellten DAF zuwendet:

  • Ronald Smelser:

Robert Ley. Hitlers Mann an der „Arbeitsfront“

Eine Biographie; aus dem Amerikanischen übertragen von Karl und Heidi Nicolai;

Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1989;