Als "ältesten Wachtraum der Menschheit" bezeichnete Ernst Bloch 1961 die "Umwerfung aller Verhältnisse, worin der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, verlassenes, verächtliches Wesen ist". Es liegt auf der Hand, daß das Kino diesen Wachtraum wieder und wieder nachträumte. In Europa wurde die Sehnsucht nach dem Idealzustand oft provokativ formuliert, bei Godard oder Lilienthal oder Pasolini. In Hollywood war es meist nur eine weitere spannende Story, eine unter anderen. Die Conditio sine qua non in Hollywood (von den fünfziger Jahren einmal abgesehen): Jedes Thema ist gestattet; nur Blick und Rhythmus, Dramaturgie und Musik dürfen die vorgegebenen Grenzen nicht überschreiten. Die schwarze, aus Martinique stammende Regisseurin Euzhan Palcy folgt dem brav.

In einem Interview hat sie dennoch erklärt, es sei ein Wunder, daß Hollywood ihr erlaubt habe, diesen Film zu drehen, auch, daß sie Marlon Brando und Donald Sutherland habe engagieren können. Über all diesen Wundern ist ihr wohl entgangen, wie sehr ihre glatte, gelackte Sicht und ihre vor allem auf Spannung zielende Dramaturgie in der Tradition von Hollywood steht.

Ein schwarzer Jugendlicher gerät in Not. Sein Vater bittet einen weißen Lehrer um Hilfe, bei dem er seit Jahren als Gärtner arbeitet. Kurz darauf verschwindet der Junge. Der Vater wird verhaftet, gefoltert, ermordet. Der weiße Lehrer muß erkennen, daß hinter der schönen Oberfläche seines Alltags eine brutale, häßliche Realität sich versteckt, die er zuvor nicht wahrhaben wollte. Als er beginnt, dagegen anzugehen, beginnen seine Kollegen und Freunde, sich abzuwenden.

Der ganze Konflikt ist so simpel und offenkundig wie die Folgen voraussehbar, die Geschichte so eindeutig, die Figuren eindimensional und klischiert. Die Weißen bleiben bloße Täter, zynisch und brutal die einen, korrupt und feige die anderen; die Schwarzen dagegen bloße Opfer, manche brav und demütig, manche wütend und rebellisch. Dazwischen der weiße Lehrer, naiv, aber aufrecht, und sein Anwalt, illusionslos, aber streitlustig. "Weiße Zeit der Dürre" ist ein bißchen wie unsere Zeit: Er meint vom großen Aufbruch zu künden, dabei rennt er nur offene Türen ein.

Wenn aber das Gutgemeinte triumphiert, wenn die Behauptung dominiert und nicht der Ausdruck, verliert das Kino seine schönste Dimension: uns Zuschauer zum Träumen und Nachsinnen zu bringen – und zurück in die Welt, gereinigt, sensibilisiert. Noch immer gilt, auch jenseits des Films und der Kritik, die Ermahnung von Heraklit: "Wer das Unverhoffte nicht erhofft, wird es nicht finden." Norbert Grob