Seine französischen Malerkollegen hätten die wonnige Szene wohl ganz in flirrende Farben aufgelöst, Hans Thoma geriet der "Sommertag" (1893) zu einem Lehrbild für die Wohlordnung der Schöpfung: die reifende Natur und das artige Blumenmädchen und der bedeutende Himmel über allem. Etwas Angestrengtes, artifiziell Beschwertes, kennzeichnet diese Malerei, ein Mißtrauen gegen die schiere Sinnlichkeit, den malerischen Materialismus der Impressionisten. Immer wieder versteigt sich das Werk in der Gedankenkunst und kennt auch keine Scheu vor des Gedankens Blässe. Verrät den einmal an Courbet geschulten Blick des romantischen Realisten an allerhand Maskeraden aus dem mythischen Fundus: Tritonen und Putten treten auf, Flora und der Jüngling am Quell, die Walküren reiten, und die Meerweiber tanzen, der Hüter des Tales hat seinen Harnisch angelegt, und die Allegorie der Sehnsucht hat alle Kleider abgelegt. Ein Kulissenzauber, mit dem es Hans Thoma einmal zum "deutschesten" unter lauter deutschen Malern gebracht hat, was dann seinem kunstgeschichtlichen Nachruhm nicht gerade dienlich war. Zum 150jährigen Geburtstag des Malers will nun das Freiburger Augustinermuseum das schwierig gewordene Werk neu zur Diskussion stellen. Und scheitert dabei am Anspruch unbedingter Neutralität. Die mit qualitativ bedenklich schwankenden Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz geradezu verstopfte Ausstellung bringt uns den etwas steifen Tanz des Malers Hans Thoma auf dem Hochseil über der aufgebrochenen Moderne auch nicht viel näher. (Augustinermuseum Freiburg bis 3. Dezember. Der Katalog kostet 40 Mark.)

Hans-Joachim Müller

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Bernhard Heisig – Retrospektive" (Martin-Gropius-Bau bis 31.12.; Katalog 48 DM)

Essen: Franz Marc – Zeichnungen und Aquarelle" (Museum Folkwang bis 12.2.1990; Katalog 45 DM)

Hamburg: "Die Hanse" (Museum für Hamburgische Geschichte bis 26.11.; Katalog 48 DM)

Hamburg: "Einleuchten" (Deichtorhallen bis 18.2.1990, Katalog 46 DM)