Es war die größte Offensive der salvadorianischen Guerillaorganisation FMLN seit 1981, die die Streitkräfte des kleinsten mittelamerikanischen Landes das Fürchten lehrte. Mindestens 2100 Menschen wurden bei den jüngsten Kämpfen verletzt oder getötet; mehr als 40 000 Salvadorianer flüchteten aus ihren armseligen Unterkünften im Norden von San Salvador und in einigen Provinzstädten, um dem Bombardement der Luftwaffe zu entgehen.

Der Mord an sechs Jesuiten, einer Hausangestellten und deren Tochter hat blutige Tradition: Erneut nutzten rechtsgerichtete Todeskommandos eine nächtliche Ausgangssperre zur brutalen Liquidierung politischer Gegner.

Die Geistlichen wurden laut Augenzeugen in ihrem Haus um drei Uhr morgens von dreißig Uniformierten erschossen. Eines der Opfer, der linksintellektuelle Rektor der Jesuiten-Universität Ignacio Ellacuria, hatte lange als Informationskanal zwischen der Guerilla, der amerikanischen Botschaft und Präsident Alfredo Cristiani gedient. Durch ähnliche Aktionen der Todesschwadronen starben rund 40 000 der über 70 000 Menschen, die El Salvadors Bürgerkrieg seit 1979 forderte.

Mitarbeiter der Lutheranischen Kirche, darunter sechs Deutsche, wurden verhaftet und später ausgewiesen. Mitglieder der Policia de Hacienda verprügelten in einer Zelle meinen französischen Entwicklungshelfer, bis, so ein Zellennachbar, der Mann nicht einmal mehr schreien konnte. Ein britischer Journalist starb, als er zwischen die kämpfenden Fronten geriet. Die Regierung verhängte Pressezensur.

Die Streitkräfte wollten sich bisher auf keine politische Lösung einlassen. „Die Armee spielt auf Zeit, um uns zu besiegen“, erklärte noch im Oktober ein hoher FMLN-Vertreter. Doch die Offensive der Guerilla bewies, daß sie keineswegs schwach ist; nur allmählich mußten sich die Rebellen zurückziehen.

Ob die FMLN ihr eigentliches Ziel erreicht und ihre Position in den Verhandlungen mit der Regierung verbessert hat, bleibt abzuwarten. Die brutalen Morde an den Jesuitenpriestern erschüttern die Position der Armee: In Washington mehrt sich der Widerstand der Demokraten, die blutigen Methoden der Soldaten und ihrer Todesschwadronen mit amerikanischer Militärhilfe zu alimentieren. W. G.