„Maman hat’s besser als Mami“ hieß ein Artikel von Claudia de Weck in Nr. 44 der ZEIT. Dieser Beitrag schließt daran an.

Nicht nur hat maman es besser als Mami, auch Omi wird schlechter dastehen als ihr französisches Pendant: Während die heute berufstätige französische Mutter in einigen Jahrzehnten von ihrer selbsterarbeiteten Rente leben kann, muß ihre Kollegin auf dem anderen Rheinufer sich dann mit ihrem Mann dessen Rente teilen oder sich womöglich mit einer von der Rente des Ehemannes abgeleiteten und eher geringen Witwenrente begnügen.

Dabei hat sie ihr Leben lang schwer gearbeitet – nur leider nicht als Erwerbstätige, gegen Entgelt und mit Rentenanspruch. Ihre beiden (drei, vier, fünf) Kinder, die sie liebevoll umhegt hat, müssen selbst so hohe Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen, daß sie sie nicht um Hilfe bitten will. Und ihren Anspruch auf Sozialhilfe mag sie nicht realisieren, denn der Staat versucht ja dann auch wieder den Zugriff auf die Einkünfte der Kinder, und Streit mit den Kindern wäre das Letzte ...

Claudia de Wecks Vergleich der institutionalisierten Kinderbetreuung in Frankreich mit den unzulänglichen Verhältnissen in der Bundesrepublik spricht mir wie sicher vielen Frauen im Alter zwischen zwanzig und fünfzig aus der Seele. Probleme mit fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten hatte ich schon vor mehr als zwanzig Jahren nach der Geburt unseres ersten Kindes: Daß sich da im letzten Vierteljahrhundert nichts geändert hat, ist erschreckend und bezeichnend zugleich: Da ich den – vorwiegend männlichen – Politikern nicht unterstellen will, sie seien zu dumm, diese Probleme zu erkennen, kann es sich eigentlich nur um Absicht handeln – warum wohl? Wer zieht den Nutzen daraus?

In meinem Bekanntenkreis erkennen immer mehr Mütter, daß sie, als sie sich ihren Kinderwunsch erfüllten, in eine Falle geraten sind. Wie in Frankreich können in der Bundesrepublik viele Familien nicht vom Lohn nur eines Verdieners leben.

Selbst ein besseres Gehalt, beispielsweise in den höheren Gruppen des Öffentlichen Dienstes, reicht kaum mehr aus, wenn es auf fünf oder sechs Personen aufgeteilt werden muß. Es ist also auch die finanzielle Notwendigkeit, die Mütter in den Beruf zurückzwingt – gemeinerweise um so früher, je mehr Kinder zu betreuen sind.

In Frankreich reduziert sich die Steuerschuld mit der Anzahl der Kinder wesentlich stärker ab in der Bundesrepublik durch Kinderfreibeträge Auch hier hat es maman besser: Es bleibt mehr vom erarbeiteten Lohn übrig. Mami wird stattdessen fürs Hinzuverdienen bestraft. Viele berufstätige deutsche Mütter arbeiten in jedem Jahr einige Wochen ohne Bezahlung. Und das alles – mit schlechtem Gewissen wegen des ungelösten Betreuungsproblems – nicht etwa zur Finanzierung etwaigen Luxuskonsums, sondern um zum Beispiel ein ausreichend großes Haus abzahlen zu können, denn der deutsche Kapitalanleger vermietet eher an ein Ehepaar mit vier Hunden als an eins mit vier Kindern. Vielleicht hat maman es hier auch besser?