Nun ist die Fusion des Jahrzehnts perfekt: Das Automobilunternehmen Daimler-Benz darf nach jahrelangem Gerangel endlich den Luft- und Raumfahrtkonzern MBB übernehmen und sich vom 1. Januar an als die deutsche Technologieschmiede schlechthin präsentieren.

Es war ein mühevoller Weg, bis die Bundesregierung diese von ihrem ehemaligen Wirtschaftsminister Martin Bangemann (FDP) eingeleitete Großfusion unter schlimmsten politischen Verrenkungen über die Bühne gebracht hatte. Die Bundesregierung, die einst angetreten war, irgendein Unternehmen zu finden, das ihr die drückende Milliardenlast der Airbus-Subventionen abnimmt, hat sich im Laufe der Zeit völlig auf Daimler und die dahinterstehende Deutsche Bank festgelegt und behauptet, ein anderer Interessent sei für diese schwierige Aufgabe nicht zu finden gewesen. Richtig daran ist nur, daß Daimler-Benz sich auf MBB eingelassen hat, weil die Bundesregierung dem Autokonzern fast jedes Risiko abgenommen hat und sich – bis auf kleine Ausnahmen – auf die Bedingungen von Daimler einließ.

Die Folge: Daimler bekommt ein hochinteressantes Unternehmen, die Bundesregierung dagegen kann nicht einmal sicher sein, ob sie die Airbus-Risiken wenigstens im nächsten Jahrhundert vergessen darf. Das Kartellamt, das den Zusammenschluß untersagte, wurde desavouiert, und die Begründungen für die Sondergenehmigung durch den Wirtschaftsminister sind – zurückhaltend ausgedrückt – an den Haaren herbeigezogen. Nicht einmal der Monopolkommission, die die Fusion am Ende guthieß, waren für ihr Votum die vom Gesetz geforderten gesamtwirtschaftlichen Vorteile eingefallen. Ihre Begründung für den Zusammenschluß las sich eher wie eine vernichtende Ablehnung.

MBB aber ist für Daimler Gold wert. Es fügt die Daimler-Tochtergesellschaften MTU, Dornier und AEG zu einem machtvollen Luft- und Raumfahrtkonglomerat zusammen. Nützlich werden vor allem die guten Drähte sein, die MBB nach Bonn hat. Als Lieferant von Raumfahrttechnik, vor allem aber für Kriegswaffen, ist MBB dick im Geschäft mit der Regierung und bekommt jedes Jahr mehr als 1,5 Milliarden Mark für Forschung und Entwicklung vom Bundesfinanzminister, Summen, an die ein ziviles Unternehmen niemals herankäme.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, daß die Daimler-Manager ihr Versprechen auch wahr machen und das bislang stets politisch geführte staatliche Unternehmen MBB in ein betriebswirtschaftlich gemanagtes Gebilde verwandeln, es aus der staatlichen Abhängigkeit führen, verstärkt zivile Produkte schaffen und sich dafür dann die Märkte suchen. Das aber wird selbst für die erfolgsverwöhnten Daimler-Manager mühsam, denn noch machen sie die Hälfte ihres gesamten Luft- und Raumfahrtumsatzes mit Waffen – über acht Milliarden Mark im Jahr.

So ist zum Beispiel denkbar, daß schon bald der umstrittene Kampfflieger Jäger 90 in Bonn zum heiklen Thema wird. Für Daimler besteht die Gefahr, daß eine mögliche neue Regierungskoalition nach der Bundestagswahl des kommenden Jahres dieses umstrittene Riesenprojekt kippen wird. Die SPD hat das bereits angekündigt. Doch dieses Flugzeug, dessen Kostenschätzungen bis zu hundert Milliarden Mark reichen, garantiert Daimler ein gewaltiges Auftragsvolumen und staatlich bezahlte Entwicklungen, die auch auf anderen Gebieten genutzt werden könnten. Außerdem lebt jeder vierte allein der 40 000 MBB-Beschäftigten von diesem Flugzeug, diejenigen nicht gerechnet, die bei den Daimler-Firmen AEG, Dornier und MTU am Jäger 90 schon arbeiten. Da fällt ein Verzicht naturgemäß schwer. Selbst die Bundesregierung gesteht längst zu, daß der Kampfflugzeugbau in der Bundesrepublik auch der Arbeitsbeschaffung und der Technologiepolitik dient. Vor allem aber ist der Daimler-Konzern auf den möglichen politischen Absturz dieses Flugzeuges überhaupt nicht vorbereitet. Selbst angesichts der voranschreitenden Ost-West-Entspannung gibt es im Konzern keine Idee, wie diese Riesenlücke mit anderen, möglichst zivilen Produkten gestopft werden könnte. Schon bald wird sich deshalb zeigen, wie es um die Glaubwürdigkeit der Daimler-Manager steht, wenn es um den schmerzvollen Verzicht auf profitablen Waffenbau geht.