Der Börsenkrach traf die internationalen Aktienfonds hart

Während der turbulenten Oktobertage verloren die Depots vieler Börsianer extrem an Wert. Ein schwacher Trost mag es da für manchen privaten Anleger sein, daß auch eine ganze Reihe von Profis herbe Verluste einstecken mußte. Das zeigt die ZEIT/Südprojekt-Investmentanalyse. Besonders betroffen waren all jene Kapitalanlagegesellschaften, die das Geld der Sparer weltweit in Aktien investieren. Wie schlimm es die einzelnen Verwalter der Kundenvermögen traf, wird augenscheinlich bei einem Blick auf die Rubrik Aktueller Trend. Als Meßlatte dient der um Börsenspesen und Depotgebühren bereinigte Index Morgan Stanley Capital International, kurz MSCI-Index. Er fiel kurzfristig um 5,8 Prozent und spiegelt damit die weltweiten Kursverluste wider. Von den 37 analysierten Fonds lagen immerhin 27 unter dem Indexwert. Mit anderen Worten: Das Gros der Fondsmanager hat die Krise nicht gemeistert.

Am schlimmsten traf es Transatlanta (DIT Deutscher Investment-Trust) mit einem Minus von 9,8 Prozent. Selbst der auf Platz eins rangierende Akkumula (DWS Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen) schnitt gemessen an der allgemeinen Marktentwicklung schlecht ab: das Minus – immerhin 6,3 Prozent. Fondsmanagerin Elisabeth Weisenhorn meint denn auch mit Verweis auf den 16. Oktober, als es in der Bundesrepublik zum jüngsten Börsenkrach kam: „Wir waren nicht optimal vorbereitet.“ Das Vermögen der Kunden sei zum Großteil in Aktien angelegt gewesen. Weil die Lage an den Aktienmärkten immer noch als unsicher eingeschätzt wird, hält die Fondsmanagerin derzeit 15 Prozent des von ihr verwalteten Vermögens in der Kasse. Insgesamt sind 85 Prozent des Vermögens in Europa investiert, vornehmlich in bundesdeutsche Aktien. Dazu zählen Werte von Bauzulieferern, Maschinenbau-Anteile, Aktien aus der Konsumbranche und Bankentitel.

Besonders hart traf es auch einen Fonds der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen. Der DWS-Technologiefonds verzeichnete in der kurzfristigen Betrachtung ein Minus von 8,5 Prozent. Er schneidet auch mittelfristig sehr schlecht ab. Bezogen auf den gesamten Analysezeitraum, also die vergangenen 22 Monate, bildet er mit einer Wertentwicklung von netto lediglich zwei Prozent das Schlußlicht der Gruppe. Das zeigt die Spalte Südprojekt-Anlegerperformance (SAP). Zum Vergleich: Akkumula, der Spitzenreiter, schaffte in derselben Zeit ein Plus von 54,1 Prozent.

Die beiden aus einem Hause stammenden Fonds machen die Chancen und Risiken verschiedener Anlagegrundsätze deutlich. Akkumula unterliegt keinerlei Beschränkungen. Die Fondsmanager können das Geld der Kundschaft weltweit in börsennotierten Aktien anlegen – egal in welcher Branche. Dadurch können sie immer dort investieren, wo die Wachstumschancen am größten sind, und es ergibt sich eine Beweglichkeit, die sich auszahlt. Der DWS-Technologiefonds hingegen ist festgelegt auf Unternehmen, die Industrieroboter fertigen, elektronische Bauelemente produzieren oder Flugzeuge bauen. Das kann zwar eine Zeitlang gutgehen, in schlechten Tagen aber ist das Fondsmanagement zu sehr eingeengt. Deshalb meint Thomas Vorwerk, der Geschäftsführer von Südprojekt: „Anleger sollten, wenn es eben geht, Spezialitätenfonds meiden und statt dessen Fonds wählen, die offen sind.“

Dazu zählt der britische Tempelton Groth Fund. Er rangiert auf Rang zwei mit einer Wertentwicklung von 51 Prozent. Ihm würde sogar der erste Platz gebühren, wenn einzig die Managementleistung zählte. Doch negativ schlägt bei Tempelton das extrem hohe Aufgeld zu Buche, das der Anleger beim Kauf der Fondsanteile zahlen muß. Solidus