Das soziale déclassement des Zigarettenrauchers ist nicht ohne Folgen geblieben. Auf dem Rückzug in die Heimlichkeit der Sucht hat er am Rande seines Flucht- und Leidensweges jene Accessoires zurückgelassen, die einstmals sein Laster verschönten, geeignet waren, ihn im verqualmten Alltag der gehobenen Lebenssphäre zuzuordnen. Aus dem selbstbewußten Raucher ist ein beklagenswertes Opfer geworden.

Wann und wo sieht man noch das Zigarettenetui, flach, schmal und elegant, in silberner oder gar goldener Ausführung und womöglich mit dem Monogramm des Besitzers geschmückt? Die artige Offerte, Einladung zum gemeinsamen Rauchopfer, indem man dem Gegenüber das durch Knopfdruck aufspringende Behältnis entgegenhielt, diese unnachahmliche Geste ist aus den genormten Lebensabläufen, der gediegenen Konvention des Alltags, verschwunden. Der Zigarettenraucher von heute begnügt sich mit der Packung, auf der eine ministerielle Mahnung, demnächst europäisch-gemeinschaftlich, vor dem schädlichen Genuß warnt, und seinem Gegenüber bietet er allenfalls mit der Zaghaftigkeit des verteerten Gewissens an: Wollnseaucheine?

Auch die Zigarettenspitze gehört dem blauen Dunst der Vergangenheit an, ein Requisit aus dem Arsenal unbeschwerter Rauchertage, in denen sich noch niemand etwas unter einem Raucherbein vorstellen konnte. Das Bild des mondänen Vamps mit der überlangen Spitze ist geblieben, dank des blauen Engels der Marlene Dietrich. Die schöne Einheit erfreulicher Verruchtheit aus viel Bein und langer Zigarettenspitze, die für die angemessen verrauchte Stimme sorgte, ist über cineastisches Archivmaterial hinaus zum Sinnbild einer Epoche geworden. Wie auch jenes männliche Pendant, bei dem das erotische Damenbein durch das Monokel des Dandys substituiert wird. Beschwört das Gedächtnis dafür nicht einen jugendlichen Gustaf Gründgens herauf? Genuß ohne Reue oder schlechtes Gewissen: Das waren noch Zeiten.

Ältere Herrschaften werden sich wehmütig jener Tage erinnern: als der Konsum von Tabak in weißen Papierröllchen nicht der Imitation des Kraftboldes galt, der anstrengende Ritte durch die Prärie unternimmt oder Ochsen mit dem Lasso einfängt, sondern als Zutat zu gesellschaftlicher Noblesse, der man durch die Wahl einer flachen ägyptischen Cigarette mit Goldmundstück Ausdruck verlieh. Sie aber brachte man zur Erzeugung der erwünschten aromatischen Wölkchen, indem man sie mit einem goldenen Feuerzeug entzündete, das dem Duft des Orients eine feine Spur teuren Automobilbenzins beimischte. Derartiges Gerät gibt es auch nicht mehr, es liegt an den Rändern der Verliererstraße des Zigarettenrauchers. Sein Nachfahre bedient sich des Wegwerf-Lighters, verschämt und unauffällig.

Irgendwo zwischen Cigarette und Zigarette wurde die Grenze zu den Tagen unbeschwerter Bläue überschritten, ging die Unschuld des Rauchers verloren, wurde das zierliche Zubehör zum lächerlichen Gerümpel degradiert.