Von Ulrich Pfeiffer

Die DDR steht vor einem fast erdrückenden Berg von wirtschaftlichen Problemen. Das Land verfügt kaum über Devisen, weil es zu wenig wettbewerbsfähige Güter produziert. Auf Jahre hinaus müssen Devisen und die eigene Währung bewirtschaftet werden, weil soist der Kurs der Ost-Mark zu weit fällt und vom Schallplattenladen bis zum Bootsanlegeplatz Westdeutsche die DDR leerkaufen. Das zentralistische Planungssystem hat die Produktivität gelähmt und einen schmarotzenden Staatsüberbau geschaffen.

Dies alles wird in den kommenden Wochen und Monaten immer schmerzhafter spürbir werden. In der DDR beginnt nun die lange Durststrecke des Umbaus der Wirtschaft. Der Staatsapparat muß verkleinert werden. Überaltete Fabriken sind zu verschrotten. Traditionelle Arbeitsplätze werden verlorengehen. Überall gibt es versteckte Arbeitslosigkeit. Der Strukturwandel des Ruhrgebietes war harmlos, verglichen mit dem, vor dem die DDR-Wirtschaft steht.

Der Wille, nun endlich die Ärmel aufzukrempeln, wird auf eine harte Probe gestellt, weil das Gestrüpp der Hindernisse und Widrigkeiten diesen Willen immer wieder lähmt. Zwar wird es Fortschritte geben. Es wird mehr Direktinvestitionen aus dem Westen, Joint-ventures, mehr Zuliefereraufträge geben. Kreative Manager werden mehr Einfluß erhalten. Das Handwerk wird aufblühen. Produktion und auch Verwaltungsentscheidungen werden sich stärker als bisher an den Wünschen der Bürger orientieren. Die Verbesserungen werden jedoch immer wieder durch den Vergleich zur Bundesrepublik entwertet. Der Abstand ist in vierzig Jahren zu groß geworden.

Dabei verfügt die DDR über eine entscheidende Grundlage für wirtschaftlichen Fortschritt. Die Bevölkerung ist gut ausgebildet. Die Leistungsbereitschaft ist hoch. Es fehlt allerdings an leistungsfähigen Organisationen, an Kapital und an einem leistungsfähigen Steuerungssystem der Wi-tschaft. Hier kann eine Strategie der Bundesrepublik ansetzen.

Bloße Appelle werden angesichts der noch lange bestehenden Nachteile und der Reisefreiheit bei hohen Einkommensdifferenzen kaum ausreichen. Das Wahrscheinlichste ist ein langsamer Exodus, der das Wirtschaftswachstum schwächt, Versorgungsängste schürt, Haushaltsdefizite in den öffentlichen Budgets vergrößert und den wirtschaftlichen Angleichungsprozeß immer weiter in die Zukunft verschiebt. Aus eigener Kraft kann die DDR nicht aufholen – jedenfalls nicht bei offenen Grenzen und den vorhandenen Attraktivitätsunterschieden.

Mit Hilfe eines Lastenausgleichs aber könnte die Bundesrepublik den Umbau der DDR-Wirtschaft unterstützen. Dabei sollte ein solcher Lastenausgleich nicht der Regierung und auch nicht für ein bestimmtes politisches System, sondern mit möglichst wenig Auflagen den Menschen direkt gewährt werden.