Von Heinz-Günter Kemmer

Wer Motive für einen Gruselfilm über das Ruhrgebiet sucht – hier wird er fündig. Im Süden eine Eisenbahnlinie, im Norden der Rhein-Herne-Kanal und gleich dahinter die Emscher, der Kloakenfluß des Reviers. Im Westen türmt sich eine Kohlenhalde auf dem vermutlich verseuchten Boden einer ehemaligen Kokerei. Nur im Osten ist Grün und Leben – jenseits der Bundesstraße 227 grüßt der Gelsenkirchener Ruhr-Zoo.

Auf diesem tristen Gelände standen einst Schachtanlagen der Zeche Bismarck, die Ende September stillgelegt wurde. Ein weiteres Jahrzehnt lang wurde noch ein altes Kraftwerk betrieben. Nun sucht das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE), nach dem Erwerb des früheren Bismarck-Eigners Deutsche Texaco Besitzer des Grundstücks, das alte Zechengelände mit neuem Leben zu erfüllen.

Der erste Interessent war das traditionsreiche Bauunternehmen Heitkamp im heute Herne 2 genannten Wanne-Eickel, das entlang der Kanäle des Ruhrgebiets eine Kette von Jachthäfen anlegen will. Da bot sich der ehemalige Werkshafen der Zeche Bismarck geradezu an. Und der im Frühjahr aus der Taufe gehobene Initiativkreis Ruhrgebiet machte mit den Heitkamp-Marinas gleich Stimmung für den neuen Schwung an der Ruhr.

Inzwischen freilich steht größeres auf dem Spiel, denn nun soll auf dem achtzig Hektar großen ehemaligen Bismarck-Gelände der World-Trade-Center-(WTC)-Park Ruhrgebiet entstehen. Wie er aussehen wird, steht noch in den Sternen, aber Siegbert Panteleit vom Verein pro Ruhrgebiet graust es schon vor Photomontagen, in denen zwei Türme wie die des New Yorker Trade Centers aus der Emscherzone aufragen. „So“, sagt er, „wird es bestimmt nicht sein.“

Panteleit ist Leiter der Kontaktstelle für Investitionen und koordiniert die Aktivitäten des Initiativkreises, für den pro Ruhrgebiet als Geschäftsstelle fungiert. Aber obwohl er an der Quelle sitzt, bleiben seine Angaben über das Welthandelszentrum vage, denn die Planungen haben gerade erst begonnen. Derzeit geht es zunächst einmal um eine sogenannte Machbarkeitsstudie, die die am Park interessierten Firmen Heitkamp, Hochtief, Philipp Holzmann, RWE und das WTC Ruhrgebiet in Angriff genommen haben. Bis Ostern 1990 soll die Studie fertig sein, und dann werde man, so Panteleit, an die konkrete Planung herangehen können.

Dann wird sich auch entscheiden, wieviel Geld in die wohl größte Baustelle der Emscherzone hineinfließen wird. Vorerst steckt Panteleit nur einen weiten Rahmen ab – zwischen 350 und 650 Millionen Mark könnten es sein. Kern des Projektes wird auf jeden Fall ein Verwaltungsgebäude, in dem das WTC Ruhrgebiet residieren wird. Und „um diesen Kern herum“, so heißt es in einem Papier des Initiativkreises, „wird ein hügeliges, abwechslungsreiches, erlebnisförderndes, in sich geschlossenes Gebiet gestaltet für Büros mit vollem WTC-Service“.