In Jugoslawien blieben in diesem Jahr die Urlauber aus. Mit einer teuren Werbekampagne will der Balkanstaat sein miserables Image aufpolieren.

Mit einiger Besorgnis blicken Jugoslawiens Touristiker auf das zu Ende gehende Jahr 1989 zurück. „Es hat uns bestätigt“, berichtet Leopold Perc, der Direktor des Jugoslawischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt, „daß der deutsche Markt generell nicht mehr wächst.“

Erste Schätzungen gehen davon aus, daß 2,6 Millionen Deutsche 1989 in Jugoslawien Urlaub machten. Das wäre ein Minus von 6,7 Prozent. Den Rückgang, so Perc, habe man sich vor allem im Campingtourismus und bei den Flugpauschalreisen eingehandelt.

Die ausbleibenden Touristen waren die Quittung für politische Unruhen im Kosovo, die miserable wirtschaftliche Versorgungslage, die Hyperinflation, häufig schlechten Service in den Herbergen und die Algenpest, deren Ausläufer auch Jugoslawien erreichten.

Zukünftig, befürchten Jugoslawiens Touristiker, werde in einem stagnierenden Markt der Konkurrenzkampf der Mittelmeerziele noch härter werden.

Eine in diesem Jahr vom Starnberger Studienkreis durchgeführte Befragung bei deutschen Urlaubern legte, wen wundert es, erhebliche Imagemängel des Staates an der östlichen Adria offen. Jugoslawien-Urlaub sei langweilig, biete wenig Zerstreuung und sei ohne großen Prestigewert. Kurz, Jugoslawien habe unter den Mittelmeerländern das Ansehen einer grauen Maus, sagten die befragten Bundesbürger.

Diesem Negativimage ab sofort mit einer großangelegten Werbekampagne entgegenzusteuern, haben die einheimischen Touristiker praktisch zur nationalen Aufgabe erklärt. Ab Dezember 1989 bis in den kommenden Sommer hinein rollt eine 3,6 Millionen Mark teure Werbekampagne unter dem Motto „Jugoslavija – Ein Land wie aus dem Bilderbuch“ durch die deutsche Medienlandschaft. Schwerpunkte dieser Kampagne sind Fernsehspots bei RTLplus sowie Anzeigen in führenden deutschen Illustrierten und Magazinen.