Beim Psi-Kongreß trafen sich die Tonbandstimmenforscher

Von Martin Halter

Frau Schäfer und Herr Fornoff sind Kapazitäten auf dem Feld der Tonbandstimmen. Im Saal „Rio“ des Kongreßzentrums zu Basel sind sie gerade dabei, „instrumentelle Kontaktversuche“ zu unternehmen. Dazu braucht man ein Tonband, ein Radio, ein Mikrophon – und dann weiter nichts als den Glauben, daß die Toten, wenn sie uns aus dem Jenseits begrüßen, sich neuzeitlicher Kommunikationsmittel bedienen.

Für Hildegard („Heli“) Schäfer, Verfasserin des Bestsellers „Stimmen aus einer anderen Welt“, ist die technische Seite des „Einspielens“ immer noch ein kleines Mysterium. Deshalb bedient Herr Fornoff den Kassettenrekorder. „Je weniger Technik, desto besser der Empfang“, resümiert Frau Schäfer ihre Erfahrungen mit der apparategestützten Transkommunikation, und Herr Fornoff kann dafür bestimmte Tonbandstimmen von drüben einbringen: „Technik ersetzt nicht die Macht der Gedanken“, hat ihm ein gewisser ABX-Juno im letzten Dezember bedeutet, und: „Ein Gespenst findet immer einen Weg. Wir kommen über alle Apparate.“

Nachts und bei trockenem Wetter erzielt man die besten Erfolge, aber ohne die mediale Begabung der Empfänger wären auch die stärksten Geistersender zur Funkstille verdammt. Dennoch wird auf Teufel komm raus technologisch aufgerüstet. Die klassischen Formen der Kontaktaufnahme – Tischerücken, automatisches Schreiben, „direkte Stimmen“ – gelten in Fachkreisen inzwischen als ein wenig altjüngferlich. Für den Hausgebrauch mögen unzuverlässige Medien und Poltergeister ja noch durchgehen – der moderne Spiritismus bevorzugt entschieden die auf Magnetbändern und in Speichern materialisierte Parainformation. Wohl deshalb auch ist Herr Resnik aus Johannesburg in Basel mit seinen Berichten über nur teilweise geglückte Transkommunikationsversuche mit den Ameisen in seiner Badewanne auf wenig Interesse gestoßen.

Ein paar Dutzend Teilnehmer haben sich zum Experimental-Workshop versammelt. Trauernde Hinterbliebene und Neugierige, die jetzt, während Herr Fornoff das Band vor- und zurückspult und mit feinem Ohr auf verdächtige Geräusche abhört, ein Grußwort von Tantchen erhoffen oder doch wenigstens einen Orakelspruch vom Rekorder. Viele sind Mitglieder in einem Tonbandstimmenzirkel und wissen, wovon der Experimentator spricht: „Das Hören muß man erst lernen. Anfänger haben noch kein gutes Gehör.“

Mit unbewaffnetem Ohr hört man das Jaulen und Pfeifen der Kurzwellensender und das Rauschen des Bandes, mit gutem Willen hin und wieder auch ein fernes Krächzen. Fornhoff quittiert jede Anormalität mit einem triumphierenden „Da war was“; Beifall brandet auf, dann beginnt die schwierige Arbeit der Interpretation. Hat die tote Seele eben einen „Gruß aus der Ferne“ durchgegeben, oder nuschelt sie nicht doch „Gute Verbindung“? Sagt sie „Ich bin hier“ oder „Ich Sprech’ mit Hilde“?