Vergangene Woche besuchte Entwicklungshilfeminister Jürgen Warnke einen einsamen Mann: Der kolumbianische Präsident Virgilio Barco findet im Krieg gegen die mörderische Drogenmafia kaum Mitkämpfer unter den (meist eingeschüchterten) Politikern, Richtern und Journalisten. Um so dringlicher ist Barco auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen.

Doch als Warnke Solidarität üben und nach Kolumbien reisen wollte, stellte sich einer quer: Joachim Schlaich, Botschafter der Bundesrepublik in Bogotá. Der bullige Diplomat war strikt gegen den Besuch: Warum sollte sich die Bundesrepublik exponieren, wo doch die Vereinigten Staaten an vorderster Front kämpfen? Seit Beginn des Drogenkriegs habe – abgesehen von einer Zwischenlandung Mitterrands in Bogotá – kein einziges Mitglied einer europäischen Regierung Kolumbien besucht. Wer die Drogenbarone provoziere, gefährde die deutsche Kolonie in Kolumbien und beeinträchtige die Interessen der deutschen Industrie.

Warnke freilich setzte sich über diese Bedenken hinweg. Von einer Schar Leibwächter umringt, weilte der CSU-Minister knapp zwei Tage in Bogotá. Dabei fand er genau den richtigen Ton: kein unnötiges Säbelrasseln, dafür 78 Millionen Mark Hilfsgelder. Er sprach sich klar und deutlich dafür aus, daß Anfang nächsten Jahres auch die EG am „Drogen-Gipfeltreffen“ zwischen Peru, Bolivien, Kolumbien und den Vereinigten Staaten teilnimmt.

Botschafter Schlaich aber hält nichts davon, daß die Europäer „am Rocksaum der Amerikaner hängen“. Während des Besuchs von Warnke machte er kein Hehl daraus, daß ihm der Minister ein unwillkommener Gast sei. Ganz anders der Bürgermeister von Bogotá: Er überreichte Jürgen Warnke die Stadtschlüssel und bedankte sich ausdrücklich für seine wertvolle Hilfe im Kampf gegen die Drogenplage. Ro. W.