1988 war ein wichtiges Jahr für den Frieden im Nahen Osten: Die PLO unter Jassir Arafat schwor dem Terror ab und wollte ihre Aktivitäten von nun an auf diplomatische Wege lenken. Sogar Georges Habasch, Führer der radikalen "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP) – nach der Fatah Abu Mussas die zweitstärkste palästinensische Widerstandsgruppe – spielte mit. Unberechenbar sollte indes das Verhalten einer kleinen Truppe bleiben, die sich von der größeren Schwester PFLP äußerlich nur durch das Anhängsel GC unterscheidet – die "Volksfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando".

Die vor zwanzig Jahren gegründete, heute wahrscheinlich kaum 200 Mann starke Truppe gilt inzwischen als eine der rücksichtslosesten Terrorgruppen des Nahen Ostens. Vor allem ihre hochentwickelte Bombentechnik machte sie in den letzten Jahren zu einer ernstzunehmenden Bedrohung für Israel und dessen Freunde. Ihre spektakulären Aktionen startet die PFLP-GC vom syrisch besetzten Ostteil des Libanons aus.

Kopf und Gründer der Gruppe ist Ahmed Jibril, ein ehemaliger Offizier der syrischen Armee, der von Damaskus aus die Geschicke seiner Organisation lenkt. An Syrien bindet ihn indes nicht nur die Unterstützung durch Präsident Assad. 1983 stand er mit an der Spitze der Arafat-feindlichen Palästinenser, die mit syrischer Hilfe den besonneneren Führer aus dem Libanon vertrieben – eine Rolle, die dem weißhaarigen Jibril den Spitznamen "palästinensischer Sharon" eintrug.

Der europäische Kopf der PFLP-GC heißt Hafez Dalkamoni. Als er im Oktober 1988 in Neuss verhaftet wurde, deckte die Polizei umfangreiche Familienbande auf, die die Fahnder vor allem zur Familie Moghrabi ins schwedische Uppsala führen sollten. Eine wahre Terrorsippe: In London hatte ein Familienmitglied den Wagen des irakischen Botschafters mit einer Granate traktiert, ein Verwandter wurde bei einem Bombenanschlag in Tel Aviv getötet, und nun stehen die Brüder Mustafa und Mamhoud wegen mehrerer Attentate in Schweden vor Gericht – zusammen mit Abu Talb.

Jeden Verdacht, die PFLP-GC habe etwas mit dem Bombenattentat von Lockerbie zu tun, weist Ahmed Jibril indes energisch von sich. Und auch eine Verstrickung der Fundamentalisten in Teheran, denen er verbunden ist, schließt er aus.

Die Amerikaner haben dagegen vergangene Woche deutlich gemacht, daß sie die Indizien für eine Verstrickung der PFLP-GC für immer überzeugender halten. Der syrische Präsident Assad beeilte sich daraufhin, auf Distanz zu Jibril zu gehen. Sollte dessen Truppe tatsächlich etwas nachgewiesen werden, werde er die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Terrorspezialisten sehen in Assads Äußerungen indes höchstens die Ankündigung, die PFLP-GC müsse womöglich bald nach Teheran umziehen. ct