Von Roland Kirbach

Seit elf Jahren arbeitet Horst Kurtz bei der DKP – nicht nur politisch, sondern auch als Arbeitnehmer. Der gelernte Heizungsmonteur fungiert als Hausmeister im Parteigebäude des Bezirksvorstands Ruhr-Westfalen in Essen. "Mit Freuden", sagt er, habe er diese Arbeit damals angenommen, auch wenn er dabei 600 Mark im Monat weniger verdiente. Wichtiger war ihm, "die politische Arbeit mit dem Beruf zu verbinden". Das ist nun vorbei. Wie fast alle der rund 500 hauptamtlich Beschäftigten der Deutschen Kommunistischen Partei erhielt auch Kurtz zum Jahresende die Kündigung. Der Grund: Die Partei hat kein Geld mehr; die DDR stellt ihre Zahlungen an die DKP und DKP-nahe Unternehmen demnächst ein.

Horst Kurtz ist mittlerweile 55 Jahre alt und, so vermutet er, auf dem Arbeitsmarkt "nicht mehr vermittelbar". Er hat eine Bandscheibenoperation hinter sich. Bei der DKP erhielt er den üblichen Einheitslohn von 2470 Mark brutto im Monat. Vom Januar an müssen er und seine Frau, die nicht berufstätig ist, mit 1050 Mark Arbeitslosengeld auskommen. Außerdem muß sich das Ehepaar nach einer neuen Wohnung umsehen. Bislang haben die beiden im Parteigebäude gewohnt, das nun auch aufgegeben werden muß.

Ist Horst Kurtz verbittert? Nein, die Solidarität unter den Genossen "greift noch", sagt er. Soeben hat der Bezirksverband Ruhr-Westfalen einen Sozialfonds eingerichtet, der sich aus freiwilligen Spenden der Mitglieder speist und Härtefälle mildern soll. Viele Funktionäre haben sich nicht ausreichend sozialversichert, um die Parteifinanzen nicht zu strapazieren. Die Parteiarbeit, meint Kurtz, werde sich künftig eben, wie zu Zeiten des KPD-Verbots, wieder mehr in Privatwohnungen abspielen; und er persönlich, er werde "schon wieder mit dem Arsch an de Wand kommen".

Der abrupte Zahlungsstopp der DDR hat vielfältige Auswirkungen. Die Parteizeitung Unsere Zeit (UZ) etwa muß von täglicher auf wöchentliche Erscheinungsweise umstellen. Rund vierzig Beschäftigte werden entlassen, die meisten davon sind Redakteure. Die Zeitschrift Marxistische Blätter wird künftig statt monatlich nur noch alle zwei Monate erscheinen. Die gewerkschaftspolitischen Nachrichten werden ganz eingestellt – ebenso wie das Studentenmagazin Rote Blätter des DKP-Studentenverbandes MSB Spartakus und die Jugendzeitschrift elan von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjungend (SDAJ).

All dies wirkt sich komprimiert auf die Firma Plambeck & Co. in Neuss aus, gewissermaßen die Hausdruckerei der DKP. Zwar versichert Geschäftsführer Jürgen Schulze, daß Plambeck noch viele andere Auftraggeber habe, von den Grünen über die Sozialdemokraten bis zur Evangelischen Kirche. Dennoch zwingt der drastische Rückgang der DKP-Druckaufträge nun auch Plambeck zu Entlassungen. Von den 360 Beschäftigten, so Schulze, werden 120 ihren Arbeitsplatz verlieren.

Noch härter hat es den Kölner Verlag Pahl-Rugenstein getroffen. Er war schon vor rund einem Jahr in finanzielle Schwierigkeiten geraten. 1987 hatte er sich den Weltkreis-Verlag sowie den Röderberg-Verlag einverleibt und viel Geld in die Werbung für das neue Gemischtwarenprogramm gesteckt. Der erhoffte Erfolg indes blieb aus. Nachdem die DDR-Firma Interwerbung jetzt die Anzeigenaufträge osteuropäischer Staatsunternehmen im Umfang von 1,5 Millionen Mark zum Jahresende gekündigt hat (eigentlich liefen die Verträge noch bis 1991), hat Pahl-Rugenstein am Montag vergangener Woche Konkurs angemeldet. Für die 57 Beschäftigten soll bis zum Jahresende ein Sozialplan erstellt werden.