Gerhard Schröder ist am Sylvesterabend in seiner norddeutschen Wahlheimat gestorben, auf Sylt, im 80. Lebensjahr. Die letzte politische Bühne in Bonn, den Bundestag, hatte er schon zehn Jahre zuvor verlassen.

Während seiner Lehrzeit als Innenminister Konrad Adenauers hielten ihn viele für einen „scharfen Hund“. Sein Wort, der Staatsnotstand sei „die Stunde der Exekutive“, ist ihm lange nachgegangen. Doch er war nicht der Initiator der Notstandsgesetze; sie sind auch nicht nach seinem Gusto zustande gekommen.

Adenauer hätte seinen Zögling Schröder gern als Nachfolger im Kanzleramt gesehen. Doch 1963 – Schröder war inzwischen Außenminister – stand ihm Ludwig Erhard im Wege; nach Erhards Sturz versagte ihm Franz Josef Strauß die bayerischen Stimmen, Kurt Georg Kiesinger wurde Bundeskanzler. Da hatte Schröder mit der Einrichtung von Handelsmissionen in Rumänien, Polen, Ungarn und Bulgarien schon die ersten Wegmarken für eine neue Ostpolitik abgesteckt. Bei der Bundespräsidentenwahl im März 1969 unterlag Gerhard Schröder seinem Konkurrenten Gustav Heinemann nur knapp. Über einen Sieg hätte er kaum froh werden können, obgleich er dessen Voraussetzung schon mit seiner Kandidatur in Kauf genommen hatte: die Stimmen von 22 NPD-Abgeordneten in der damaligen Bundesversammlung.

Der CDU-Abgeordnete Schröder begleitete die Außenpolitik der sozial-liberalen Regierungen Brandt und Schmidt als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag noch ein Jahrzehnt lang mit Zurückhaltung und Schweigen – eine noble Erscheinung. H. Sch.