Prozeß um Tanklaster-Unfall

Von Stefani Geilhausen

Limburg

Wird Jürgen Scharle am 17. Januar das Gefühl haben, der Tod seiner Tochter Petra sei gesühnt? Was werden die Eltern von Pia Weyel, Silvana Kolb, Tanja Wirth und Ernestis Koustolidis empfinden, die wie Petra Scharle am 7. Juli 1987 im Inferno von Herborn starben? Am kommenden Mittwoch, nach einem elfmonatigen Prozeß, wird der Vorsitzende Richter der 5. Strafkammer am Limburger Landgericht, Dietmar Roth, das Urteil über jene drei Männer verkünden, die nach Meinung der Staatsanwaltschaft schuld sind an der größten Katastrophe in der bundesdeutschen Straßenverkehrsgeschichte.

Angeklagt wurden Josef Vogt, der fünfzigjährige Fahrer des Tanklasters, der vor nahezu zweieinhalb Jahren vor dem Eiscafe „Rialto“ in Herborn umkippte und explodierte, sowie der Kraftfahrzeugmechaniker Ralf Lemaire, Werkstattleiter der Spedition Hartmann. Außerdem Hans-Peter Hartmann selber, der Juniorchef der Spedition, auf deren Hof Joseph Vogt zu der verhängnisvollen Fahrt gestartet war. Ihnen allen mißt Staatsanwalt Manfred Riebeling eine Mitschuld zu am Tod der fünf Jugendlichen, an den teils schweren Verletzungen von 42 Menschen und dem Sachschaden in Millionenhöhe.

Als „Haupttäter“ bezeichnet Staatsanwalt Riebeling den Juniorchef Hartmann. Der ehemalige Bundeswehroffizier, der die Firma vom Vater übernahm, habe den Unglückslaster auf Tour geschickt, obwohl er von dem desolaten Zustand des Lasters gewußt habe. Hartmann habe versucht, die Ermittlungen nach dem Unfall zu behindern. So habe er falsche Unterlagen vorgelegt und versucht, Zeugen unter Druck zu setzen. Es sei doch beeindruckend, sinnierte der Staatsanwalt, wie Zeugen, „komischerweise immer nach den Pausen“, ihre Aussagen widerriefen. Als die Beweise erdrückend wurden, räumte Hartmann ein, er habe den einen oder anderen Nachweis für die ordnungsgemäße Wartung des Lastzuges „nachschreiben“ lassen.

Staatsanwalt Riebeling glaubt dem Unternehmer nicht. Er vertraut mehr auf die Aussagen des Zeugen Dieter R., der die Firma so lange deckte, bis Hartmann ihm kündigte. Da erzählte er plötzlich von katastrophalen Zuständen in der Spedition. Dieter R. bot seine Erinnerungen zunächst den Versicherungen und der Firma Daimler-Benz an, in der Erwartung, „ich krieg’ da einen Finderlohn“. In einer Illustrierten erzählte er dann für Geld, wie er Hartmann auf Defekte am Unglücks-Lkw hingewiesen habe, den er während Vogts Urlaub gefahren hatte. „Der Chef hat gesagt, das geht Sie nix an, das is Sache von Lemaire!“