Überlegungen zum Verkauf des Hamburger Hotels "Vier Jahreszeiten"

Von Rudolf Walter Leonhardt

Einem Hoteldirektor geht es wie einem Fußballtrainer. Er muß mit dem Präsidium klarkommen. Er darf seine Besucher nicht enttäuschen. Und das Wichtigste sollte ihm eine exzellente Mannschaft sein, die ihn respektiert und zu der er ein vertrauensvolles Verhältnis hat. Er wird dafür gut bezahlt. Er genießt hohes Ansehen – wenn auch nicht in der gleichen Gesellschaftsschicht wie der Fußballtrainer. Und erfüllt er nicht die an ihn gestellten Erwartungen, wird er gefeuert – wenn auch nicht so schnell wie ein Fußballtrainer.

Noch ein Vergleich. Ich zitiere (nach Gedächtnis) Jim Sherwood, von dem am Ende noch einmal zu reden sein wird. "Ich kann mir das teuerste Schiff kaufen. Aber das bringt nichts, wenn ich nicht einen hervorragenden Kapitän dafür habe, der eine erstklassige Crew anheuern und mit seinen Passagieren umgehen kann."

Alles war einfacher, als der Boß seine Mannschaft noch selber trainierte, als der Kapitän noch Eigentümer seines Schiffes war. In die Welt der Hotels übersetzt: Die besten waren die, in denen der Direktor gleichzeitig Eigentümer war. Da fiel schon mal eine Reibungsfläche weg. Alle Reibungsflächen bremsen.

Friedrich Haerlin, der Gründer, Direktor und Eigentümer des Hamburger Hotels "Vier Jahreszeiten", drückte es so aus: "Meine Erfahrungen ... zeigten mir klar und deutlich, daß mein Naturell nicht dafür geschaffen war, mit einem umständlichen Verwaltungsapparat erfolgreich zu arbeiten; denn die unausbleiblichen Hemmungen und Reibungen erschöpften meine Geduld und Arbeitslust zu sehr."

Die Verhältnisse sind nicht mehr so. Reine Privathotels, die noch vom Besitzer geleitet werden, sind in der Spitzengruppe die Ausnahme geworden. In Deutschland fällen mir da nur der "Benen-Diken-Hof" in Keitum auf Sylt ein (Besitzer und Direktor Claas Johannsen) und das "Kurhotel Mitteltal" in Baiersbronn (Besitzer und Direktor Hermann Bareiss). Um die allfälligen Proteste in Grenzen zu halten: Eigentümer-Familien sind etwas anderes. Von ihnen gibt es noch einige. Sie können besser, sie können aber auch viel schlechter sein als ganz fremde Eigentümer. Die meisten Vergewaltigungen (so lehrt die Statistik) finden innerhalb von Familien statt.