DIE ZEIT

Mitterrands Mißgriff

Präsident Mitterrand gibt den Deutschen Rätsel auf. Einerseits wünscht er sich, daß die DDR möglichst lange ihre Eigenstaatlichkeit behält.

Scharf gefeuert

Ein Offizier, verlangte der Alte Fritz von seinen Truppenführern, müsse "Fortune" haben; Tüchtigkeit allein genüge nicht. Damit rechtfertigte der Preußenkönig den Rausschmiß verdienter Männer, die eine Bataille verloren hatten, auch wenn er wußte, daß er sie selbst nicht hätte gewinnen können.

Vom Aufbruch zum Zusammenbruch?

Drei Äußerungen, eine Pointe: Es geht bergab in der DDR, die sanfte Revolution des Herbstes 1989 droht umzuschlagen ins Harsche, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten könnte sich per Eruption vollziehen, ehe wir uns versehen.

Letzte Ölung

Nicht immer wird schneller Tod dem langen Leiden vorgezogen, schon gar nicht in der Politik. So war vom "Absterben der Partei" in Jugoslawien schon vor 38 Jahren auf dem sechsten Kongreß die Rede.

Fast ein GAU

Einmal schon, 1976, ist die DDR knapp an ihrem Tschernobyl vorbeigekommen. Nach einem Kabelbrand im Kernkraftwerk Lubmin bei Greifswald verhinderte eine letzte Pumpe, die zufällig auf ein anderes Versorgungsnetz geschaltet war, den GAU.

Zeitspiegel

In drei Jahren will die Stadt Agde in der südfranzösischen Provinz Languedoc-Roussillon die Mittelmeerspiele austragen. Mit Hochglanzbroschüren werden Investoren für dieses sportliche Spektakel gelockt.

Für Ben Witter: Angetippt

Er hat nie in der Redaktion einen Nagel gehabt, an dem er seinen Hut hätte aufhängen können. Aber seit 1953, als sein erster Artikel in der ZEIT erschien, gehört Ben Witter dazu.

Zur Seelenlage in der DDR: Wie Fische in der Tiefsee

Und hier, in der DDR, soll eine Revolution vor sich gegangen sein? Fast möchte man es nicht glauben. Was muß denn noch geschehen, bevor diese Bürger sich aus ihrer Angststarre lösen können? Schon einmal waren wir im Gesprächskreis der Evangelischen Akademie in Meißen gewesen – wenige Tage vor dem Mauersturz vom 9.

Zukunftsangst in der DDR: Regieren auf Treibsand

Ministerpräsident Hans Modrow ist eine beinahe tragische Figur. Der Mann, der sich unablässig, ernsthaft und glaubwürdig bemüht, die DDR vor dem totalen Chaos zu bewahren, steht auf Treibsand.

Vor der Wahl im Saarland: Oskar wird’s schon richten

Seit Sylvester ist Karl Gütter kein Hauer mehr. 35 Jahre arbeitete er unter Tage, 19 Jahre davon in der Nachtschicht. "Und nun gehör’ ich zum alten Eisen – mit zwoundfuffzisch", brummt er und zieht kräftig an der Pulle.

Gurus im Kreml

In den "Deutsch-französischen Jahrbüchern" erschien 1844 ein Aufsatz von Karl Marx: "Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie".

Zum Tod von Herbert Wehner: Ein großes Vorbild

Es gibt Hunderttausende von Sozialdemokraten, die Herbert Wehner dankbar sind. Es gibt Millionen Deutscher, die 1983 seinen unvermeidlichen Abschied von der Politik mit großem Bedauern respektiert haben und die heute mit Wehmut seiner gedenken.

Bonner Bühne: Wieviel Vaterland?

Helmut Kohl ist nach Paris gefahren, um einen Vortrag zu halten über den Standort Deutschlands in einem künftigen Europa – "um zu überzeugen", wie Le Monde feinsinnig stichelte.

Nachlese: Marion Barry: Hochmut vor dem Fall

Marion Barry ist nicht irgendein Bürgermeister. Marion Barry ist ein Afroamerikaner mit prominenten Referenzen aus der Zeit der Bürgerrechtskämpfe und Bürgermeister der Hauptstadt der Vereinigten Staaten, des Verwaltungsbezirkes für Regierung und Kongreß, der sich District of Columbia nennt.

Rückblick: Truppenabzug in Osteuropa: Sowjets, go home!

Eine drastische Reduzierung der konventionellen Streitkräfte in Europa – das schien als Ergebnis der Wiener Verhandlungen zwischen den Militärbündnissen aus Ost und West für dieses Jahr vorprogrammiert zu sein.

Weltbühne: Der ungebetene Gast

An diesem Wochenende startet der amerikanische Vizepräsident Dan Quayle zu einer Drei-Tage-Tour durch drei Staaten Mittelamerikas und der Karibik.

2000 Jahre Völkerfehde

11. Jahrhundert: Unter der Herrschaft der Seldschuken setzt sich in Aserbeidschan der Islam durch. Auch Armenien wird, nach einer byzantinischen Phase, von Seldschuken beherrscht.

Chronik der Krise

Februar: In Armenien formiert sich eine Bürgerbewegung mit vornehmlich ökologischen Zielen. Sie protestiert gegen den Betrieb des veralteten Atomkraftwerks "Hoktemberian", gegen die Luftverschmutzung in Eriwan und gegen die Absenkung des Wasserpegels im Sewan-See.

Kreml und Kaaba

Der Prophet Mohammed – so die islamische Überlieferung – schrieb an den Großkönig von Persien, den Kaiser von Byzanz sowie den ägyptischen Herrscher und forderte sie auf, dem Islam beizutreten.

Freie Partnerwahl

Zu den deutsch-deutschen Nachrichten dieser Tage gehört, daß der politische Schriftsteller Günter Gaus, ehemals Chefredakteur des Spiegels und Ständiger Vertreter in Ost-Berlin, das Angebot des DDR-Fernsehens angenommen hat, dort von Februar an alle vierzehn Tage ein 45-Minuten-Interview mit politischen Persönlichkeiten der DDR zu produzieren.

Weiter im alten Trott

Bedurfte es noch eines Beweises, die Gewerkschaften selbst haben ihn jetzt geliefert: Die Arbeitnehmerorganisationen in der Bundesrepublik stecken in einer tiefen Krise.

Peter Christ:: Geld ist nicht alles

Geldfragen sind Existenzfragen – für Menschen wie für Volkswirtschaften. Bei ihren Reisen in den Westen seit dem 9. November ist den DDR-Bürgern schlagartig klargeworden, daß ihr Geld im kapitalistischen Ausland nur wenig wert ist, daß damit im Ausland nichts gekauft werden kann.

Bonner Kulisse

Was wird aus der Bundeshauptstadt Bonn? Viele stellen sich die Frage, keiner weiß die Antwort. Da hat die FDP ein Grundstück in der Adenauerallee erworben, um darauf ihre neue Parteizentrale zu bauen.

Duty-free-Shops: Ende einer Hamsterfahrt

Vor zehn Minuten hat das mit 600 Passagieren vollbesetzte Schiff vom schleswig-holsteinischen Ostseehafen Kappeln abgelegt. Obwohl die Fahrt bis zum dänischen Sonderburg noch gut zwei Stunden dauern wird, hat sich auf der engen Treppe zum Duty-free-Shop hinunter schon ein kleiner Menschenstau gebildet.

Rosige Aussichten

Doch ob man für 1990 die Prognosen der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute, des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung oder eben die des Jahreswirtschaftsberichtes zu Rate zieht, die Vorhersagen unterscheiden sich nur für Fachleute erkennbar.

Manager und Märkte

Nixdorf: Sanierer am Werk Thyssen: Thronfolger in Sicht Hoesch: Käufer im Gespräch

Kumpanei mit alten Nazis

Anfang 1963 ging der Name der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Geesthacht plötzlich durch die Weltpresse. Am dortigen Gymnasium hatte das letzte Staatsoberhaupt des Nazireichs, der von Hitler ernannte Nachfolger Großadmiral Karl Dönitz, die Möglichkeit erhalten, vor 220 Schülern zeitgeschichtlichen Unterricht zu geben.

Rot war nicht gleich Braun

Politische Gewalttätigkeit war während der gesamten Dauer der Weimarer Republik an der Tagesordnung. In den letzten Jahren der Republik erreichte sie allerdings ihren Höhepunkt.

Zwei sind besser als eins

Es gibt nur eine deutsche Nation – die deutsche Nation, die sich in ihrer Geschichte zumeist auf mehrere Staaten verteilte. Der deutsche Zentralstaat, wie er von Bismarck bis zum Untergang des Dritten Reiches bestand, war geschichtlich gesehen nur von kurzer Dauer; zugleich steht er für eine tragische Periode der deutschen Vergangenheit.

Kein Umweg nach Jerusalem

JERUSALEM. – Die PLO hat im vergangenen Jahr erhebliche Fortschritte dabei gemacht, die Basis für einen Verhandlungsfrieden mit Israel zu legen.

Die Hoffnung der Nüchternheit

HAMBURG. – Der Nahe Osten – noch jüngst als Krisenherd der Weltpolitik eingestuft – scheint an Aktualität erst einmal eingebüßt zu haben.

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