Gleichgültig hat er kaum jemanden gelassen, schon gar nicht die Selbstzufriedenen in jedweder Machtposition, denen sein Zorn oder seine Verachtung galt. Wenn Dieter Gütt sich äußerte, dann handelte er nach seiner Devise, bequeme Leute sollten besser Gärtner werden. Ob er sprach oder schrieb, als stets engagierter Journalist bevorzugte er „deutliche, feste, artikulierte, schonungslose“ Kommentare. Sie kamen wie Pfeile, und wen sie trafen, von unbelehrbaren Berufsvertriebenen bis zu satten Fußballfunktionären, bei dem hinterließen sie mehr als Schrammen.

Obwohl seither wenig mehr als ein Jahrzehnt vergangen ist, erscheint es heute beinahe unvorstellbar, daß einer wie Gütt je in öffentlich-rechtlichen Diensten stehen konnte. Aber es gab einmal die Zeit, in der ein solch streitbarer Geist die Politik der ARD koordinierte und später sogar Tagesschau und Tagesthemen leitete. Von Proporzdenken („... ich kenne nur guten und schlechten Journalismus“) hielt Gütt auch in diesen Positionen nichts. Zustimmung war ihm deshalb nicht garantiert, auf Aufmerksamkeit hingegen konnte er immer rechnen, wenn er mit barocker Figur den Bildschirm füllte. Seine Präsenz und geschliffene Suada verschafften ihm auch da Respekt, wo er sich als militanter Moralist auf Abwege verirrte.

Zuletzt bürstete Gütt in Kolumnen für den Stern wider den politischen Strich. Leidenschaft, mitunter auch ein cholerisches Temperament führten ihm die Feder. Vor allem ein wiedervereinigtes großdeutsches Reich, wie er es heraufziehen sah, bereitete ihm Pein.

Vor Jahren hatte sich Dieter Gütt in einem FAZ-Fragebogen Gelassenheit beim Tode gewünscht. Niemand weiß, ob sie ihm vergönnt war, als er in der vergangenen Woche im Alter von 65 Jahren starb. -hl