Sie glauben, das letzte Wort im Kempowski-Skandal sei längst gesprochen? Das letzte Wort im Kempowski-Skandal ist noch längst nicht gesprochen. Das letzte Wort im Kempowski-Skandal kommt erst noch. Und zwar jetzt sofort.

Vor Jahren traf ich Walter Kempowski auf der Frankfurter Buchmesse, und weil ich mich in so etwas wie ihn ganz leicht hineinversetzen kann, erzählte ich ihm drei Geschichten von meiner Mischpoche väterlicherseits, denn die war ähnlich gelagert wie die seine: Hansestadt (aber nicht diejenige, welche), nautischer Hintergrund (aber seit mindestens einer Generation kein Wasser mehr unterm Kiel), feine Leute (aber nicht ganz so fein, wie man gern gewesen wäre).

Dazu sagte ich ihm, er möge sie, die drei Geschichten, gern in seine eigenen Stammbäume hängen, denn: "Ich schreib’s ja sowieso nicht auf, und bei Ihnen ist es gut aufgehoben."

Die erste Geschichte ist gar keine Geschichte, sondern nur ein Spruch, aber man muß ihn laut lesen und mit all der Panik in der Stimme, zu der gesettelte Parvenüs fähig sind. Das Ganze mit bremisch-niederländischem Akzent (2/3 bremisch, 1/3 niederländisch), aber eben mit Panik, dabei aber eigentlich sehr lieb, aber doch, wie gesagt, mit genügend Panik, damit das aus einer Havarie vor Spitzbergen günstig erworbene russische Tafelsilber leise klirrt:

"Rodel! Wir haben ein Buttermesser."

Wer sich unter so einer hanseatischen Diktion nicht genug vorstellen kann, der kennt vielleicht die Geschichte von James Thurber, in welcher eine Frau ihrem Mann auf die Schliche kommt. Er hält nämlich immer heimlich die Luft an, um herauszufinden, wie lange er das durchhält. Selbst auf wildbewegten Cocktailpartys weiß sie sofort, daß er es wieder tut, und sie bahnt sich einen Weg durch die Menge und sagt: "Jetzt hast du’s schon wieder getan." Auf seinen Einwand, er fühle sich ganz wohl dabei, zischt sie: "Ich will aber nicht, daß du dich wohlfühlst, wenn du dabei so albern aussiehst." Also? Wir probieren es noch einmal:

"Rodel! Wir haben ein Buttermesser."