DIE ZEIT

Freude und Haß

In dem Plädoyer, das er vor dem Gericht in Pretoria gehalten hat, das ihn zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilte, sagte Nelson Mandela damals: "Immer habe ich das Ideal einer freien, demokratischen Gesellschaft vor Augen gehabt, in der alle Menschen harmonisch und gleichberechtigt zusammenleben.

Zur Einheit per Diktat?

Geschichte ist unaufhaltsam – und zwiespältig. Stabilität in Europa, das zeigt sich immer klarer, läßt sich ohne den deutschdeutschen Ausgleich nicht mehr herstellen.

Der Kanzler und die deutsche Einheit: Wer zahlt, hat auch das Sagen

Wie Sinnbilder ihrer Republiken wirken sie, Hans Modrow und Helmut Kohl, nebeneinander im Saal der Bundespressekonferenz. Ihre Gemütslage, aber auch etwas von dem Zustand, in dem sich Deutschland-West und Deutschland-Ost befinden, drückt sich im Erscheinungsbild aus.

Zeitspiegel

Die Historie eilt im Sauseschritt, und selbst die schnellsten unter den rasenden Reportern und die weitsichtigsten unter den Leitartiklern haben oft das Nachsehen.

Worte der Woche

"Ich habe heute abend an alle Deutschen eine einzige Botschaft zu übermitteln. Generalsekretär Gorbatschow und ich stimmen darin überein, daß es das alleinige Recht des deutschen Volkes ist, die Entscheidung zu treffen, ob es in einem Staat zusammenleben will.

Kohls Besuch in Moskau: Freudentanz auf einem Vulkan

Die Zeit rückte auf Mitternacht vor, Helmut Kohl hatte seine Moskauer Medienshow beendet und war bereits in die Katakomben des für die Olympischen Spiele 1980 gebauten Pressezentrums entschwunden.

Bonner Wahl- und Wirtschaftshelfer: Furcht vor neuer Vormundschaft

Vier Wochen vor der Volkskammerwahl ist die Parteienlandschaft in der DDR ausgeformt. Zur konservativen Allianz für Deutschland, in der Helmut Kohl als Parteivorsitzender der CDU-West den Demokratischen Aufbruch, die DSU und die Ost-CDU zusammengeführt hat, und dem linken Bündnis 90, das Neues Forum, Demokratie Jetzt und die Initiative für Frieden und Menschenrechte ohne Begeisterung eingegangen sind, gesellt sich nun der liberale Bund Freier Demokraten.

Einheit sofort?: Kopflose Hast

Immer schneller rollt der Zug der deutschen Entwicklung, und die Strecke ist abschüssig. Die Kessel glühen schon. Aber unbeirrt wird neue Kohle nachgeschaufelt.

Übersiedler: Kein Sprung ins kalte Wasser

Die Nacht hat Peter Wienen (Name von der Redaktion geändert) frierend im Auto vor dem Hamburger Hauptbahnhof verbracht. "Meine Frau hätte kein Verständnis, wenn sie erfährt, daß ich unsere West-Mücken für ein warmes Bett ausgegeben habe", erzählt er.

Wolfgang Ebert: Deutsche Eiche

"Ich bin nicht durchgekommen, bei Ihnen war pausenlos belegt." "Faule Ausrede, Herr Wichtl. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Schwieriger Neubeginn in Bukarest: Die Last des Erbes

Ceauşescu ist tot, seine Politik aber wirkt fort: Rumänien trägt schwer an den Folgen der Diktatur. Zwischen den beiden Lagern des katastrophalen Erbes – den Ex-Kommunisten und den alten bürgerlichen Parteien – hat sich eine tiefe Kluft aufgetan.

Im deutschen Namen?

Gewiß: Als Frühjahr 1945 das Reich zusammenbrach und der Gestank menschlicher Leiber aus den Konzentrationslagern zu uns drang, war ich voll Rache gegen die, die das Entsetzliche angerichtet hatten.

Kurzportrait: Ariel Scharon: Selber ausgespannt

Ariel, Ariel, König von Israel!" pflegen die ergebenen Jünger des israelischen Falken Ariel Scharon zu rufen. Der bullige und wortgewaltige Ex-Militär hat nun den Bruch mit seinem innerparteilichen Widersacher, Regierungschef Jitzchak Schamir, herbeigeführt.

Nachlese: Kirche in Ungarn: Keime der Freiheit

Nicht überschäumend vor Freude, doch mit diplomatischem Siegerlächeln hob der vatikanische Kardinalstaatssekretär Casaroli das Sektglas, um mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Németh auf eine "freie Kirche im freien Staat" anzustoßen.

Bonner Bühne: Ein ziemliches Vergnügen

Reden über Deutschland, diesmal im Hörsaal 10 der Bonner Universität. Die Studenten laden ein. Kurt Biedenkopf war schon da, Egon Bahr ließ sich nicht lange bitten, und für Willy Brandt ist es, man merkt es ihm an, ein ziemliches Vergnügen.

Weltbühne: "Wir schlagen sie tot!"

Seit vier Aids-Infizierte am 31. Januar aus ihrem Haus in der Warschauer Chelmzynska-Straße von Anwohnern vertrieben wurden, kampieren sie mit Schlafsäcken, Lebensmitteln, Fernseher und Radio im Konferenzsaal des polnischen Gesundheitsministeriums.

Trübe Aussicht

Das Videogerät versprach etwas Kurzweil. Die Spende des Deutschen Roten Kreuzes sollte den Aus- und Übersiedlern auf dem Wohnschiff Casa Marina im Altonaer Fischereihafen einige Abwechslung bieten.

Hauptsache guter Wille

Statt der DDR sofort zu helfen, drängt Bonn auf eine risikoreiche Währungsunion

Pay-TV: Abgeschottet

Monatelang spielten die Kontrahenten, die Bertelsmann-Tochter Ufa und der Münchner Filmhändler Leo Kirch, die Rolle der unerschrockenen Krieger, die keine Angst vor dem Wettbewerb kennen.

Bernhard Blohm:: Testfall für Europa

Die Halbwertzeit der Aussagen bundesdeutscher Politiker nähert sich bedrohlich der Wahrnehmungsschwelle. Was gestern noch gefordert oder für sinnvoll gehalten wurde, zählt heute nicht mehr.

Pressevertrieb: Verhagelt

Daß Wettbewerb in der Wirtschaft eine mühsame Sache sein kann, das muß die DDR gerade schmerzlich erfahren. Guter Rat von erfahrenen Freunden wird da gern angenommen.

Aufmarsch der Enterbten

Aufmerksame DDRler haben eine westdeutsche Touristen-Invasion der besonderen Art ausgemacht. Alarmiert meldeten Leser dem Neuen Deutschland ihre Beobachtung.

Bulgarien: Vor dem Kollaps

Bulgariens Wirtschaft steht an der Schwelle zum Herzinfarkt." Nur böswilligen Feinden des Landes wäre vor wenigen Wochen diese Feststellung zugeschrieben worden.

Japan: Das große Geld wählt mit

Was Eishiro Saito zu sagen hat, nehmen Japans Unternehmensführer ernst, denn er ist Vorsitzender der allmächtigen Vereinigung der Wirtschaftsorganisationen des Landes (Keidauren).

Frankfurt: Pakt mit der Großfinanz

Noch kennt kaum jemand aus der Alternativszene die Kasseler Straße, geschweige denn jene kahle Stelle, die sich an ihrem Ende hinter einem notdürftigen Bretterzaun verbirgt.

Wenn ein Richter sich verrechnet

Ein Richter rechnet nicht – so hieß es früher einmal voller Stolz. Aber dieser ehrwürdige Satz stammt aus dem Lateinischen und galt in einer Zeit, als sich die Gerichte noch nicht mit der modernen Baumängelhaftung, den Leasing-Geschäften oder dem Zugewinnausgleich zu plagen hatten.

Leise Zweifel

Es ist ein merkwürdiges Phänomen. Mit der friedlichen Revolution in der DDR stieg auch der Kurs der D-Mark an den internationalen Devisenmärkten.

Manager und Märkte

Perrier: Gletscherwasser als Ersatz Guinness: Finanzadel vor Gericht Buderus: Höhenflug mit Flugzeugküchen

Heikle Bonner Notizen

Als die Kieler Staatsanwaltschaft Anfang Januar die Geschäftsräume der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG durchsuchte, glaubte der Vorstandsvorsitzende der Firma, Klaus Neitzke, noch, die Staatsanwälte "werden sehr schnell kalte Füße kriegen".

Argentinien: Flug ohne Fallschirm

Die Plakate, die zum Jahreswechsel in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires aufgehängt wurden, verkündeten Optimismus. Präsident Carlos Menem prostete seinen Landsleuten mit einem Glas Sekt zu und verkündete: "Das Vaterland hat sich in Marsch gesetzt, schreiten wir weiter voran.

EG-Binnenmarkt: Ins Abseits geraten

Dem Thema war nur kurzer Glanz beschieden: "Europa 92". Der Begriff, Sinnbild für große wirtschaftliche und soziale Umwälzungen in Europa, eroberte 1989 zwar zeitweise fast täglich die Schlagzeilen, geriet aber zum Ende des Jahres wieder völlig ins Abseits.

Bundespost: Auf schwachem Posten

Der kleine Junge in der großformatigen Anzeige trägt Boxerhandschuhe. Die Stellenofferte, von der Mannesmann Mobilfunk GmbH kürzlich plaziert, läßt ahnen, mit welch harten Bandagen der Konkurrenzkampf um den Milliardenmarkt Mobilfunk zwischen dem Düsseldorfer Konzern und der Bundespost in Zukunft ausgetragen werden könnte.

Schweden: Modell mit groben Fehlern

Lob gab es von einem Mann, der die Segnungen der Marktwirtschaft seinem Land erst zukommen lassen will. In Stockholm pries Jiri Dienstbier in der vergangenen Woche das schwedische Modell.

Macher und Wendehals

Hjalmar Schacht, einer der schillerndsten Bankiers des Jahrhunderts: In Weimar wie bei Hitler stets sein eigener Kreis

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