Große Not für deutsche Yuppies: Es gibt kein Perrier mehr. Sie werden wohl für kurze Zeit auf ganz normales Mineralwasser umsteigen müssen, denn die Firma Eckes, der deutsche Importeur von Perrier, stoppte als Konsequenz alarmierender Meldungen aus den USA vorerst den Verkauf. Vergangene Woche fand die US-Gesundheitsbehörde in einigen Flaschen des Edelsprudels winzige. Spuren von Benzol, einer hochgiftigen, krebserregenden Chemikalie. Der französische Perrier-Konzern reagierte sofort. Er nahm 72 Millionen Flaschen Mineralwasser vom amerikanischen Markt, um das Image des Brunnens nicht zu gefährden.

Die Ursache für die Verunreinigung des Wassers fand das Unternehmen schnell: Ein Arbeiter soll mit benzolhaltiger Lösung unerlaubterweise eine Abfüllanlage gereinigt haben. Zunächst hieß es, die Maschine habe nur für den amerikanischen Markt produziert. Doch war offensichtlich nicht auszuschließen, daß verunreinigte Flaschen auch in die Bundesrepublik geliefert wurden.

Den Schaden, der dem Hause Perrier durch die Benzolspuren entstanden ist, beziffern die Franzosen auf 200 Millionen Franc. Doch die Händler an der Pariser Börse wurden dennoch nervös. Weil sich bei einer Flut von Verkaufsorders der Preis nicht mehr feststellen ließ, mußte am vergangenen Montag die Notierung der Perrier-Aktien teilweise ausgesetzt werden. Die amerikanischen Yuppies haben schon Ersatz gefunden. Der allerneueste Trend in den Bars von Chicago, New York und Los Angeles ist Gletscherwasser, direkt aus Alaska importiert.

In bundesdeutschen Gefängnissen bekommt die Managerriege kräftig Zuwachs. Am Montag verurteilte das Essener Landgericht den Bottroper Immobilienmakler Wolfgang Reh zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen Beihilfe zur Untreue. Reh wollte Anfang der achtziger Jahre Sylt zum „Mallorca des Nordens“ machen und investierte über 170 Millionen Mark in Hotelbauten. Dabei verhob er sich gewaltig. Den Konkurs konnten auch mauschelige Kreditgeschäfte mit der Volksbank Oberhausen/Mülheim nicht verhindern. Die Bank ließ sich von Reh ungedeckte Kredite abschwatzen, obwohl bekannt war, mit welch üblem Finanzjongleur man sich einließ. Dafür muß nun der ehemalige Vorstand der Volksbank, Günter Flock, wegen Untreue ebenfalls für fünf Jahre hinter Gitter. Zwei seiner Kollegen kamen mit Bewährung davon. Das krumme Geschäft kostete die Bank 145 Millionen Mark.

Verloren haben auch Arbeiter und Kumpel aus dem Ruhrgebiet, die Reh dazu überredet hatte, ihre Spargroschen in seine Projekte zu investieren. Wie er dabei vorging, erläuterte im Essener Prozeß der Vorsitzende Richter am Beispiel eines Schlossers, der bei einem Nettoeinkommen von 2100 Mark Immobilien im Wert von über einer Million Mark auf Kredit kaufte.

Wenn Reh im richtigen Gefängnis landet, wird er reichlich Gesprächspartner treffen, mit denen er sich bei Hofgängen über kriminelle Finanzmanöver austauschen kann. Denn das Landgericht Braunschweig hat nun auch den Frankfurter Devisenhändler Hans-Joachim Schmidt und den ehemaligen Chefdevisenhändler von VW, Burkhard Junger, zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Beide sind der Untreue schuldig, Junger zusätzlich der Urkundenfälschung und Schmidt der Anstiftung dazu. Gemeinsam haben sie versucht, verlustreiche Dollarspekulationen zu verheimlichen. Dadurch wurden die Verluste noch größer, so daß VW am Ende 340 Millionen Mark verlor.

Zwei Mitarbeiter Jungers müssen ebenfalls ins Gefängnis. Damit stellten bundesdeutsche Richter innerhalb einer Woche eine halbe Knast-Fußballmannschaft aus Managern auf.