Ein unscheinbares Bändchen aus der Reihe „Frau in der Literatur“ des Ullstein Verlages, blau der Umschlag, darauf der Ausschnitt eines Frauengesichtes. Leicht könnte man es übersehen, wären uns Pea Fröhlichs experimentelle Kurz- und Kürzestgeschichten nicht schon aufgefallen. Ihr 1987 erschienenes Bändchen „Zwei Frauen auf dem Weg zum Bäcker“ hatte durch seine kühlen, scharf gestochenen Alltagsskizzen (und auch durch die hart-klaren Photos von Jens Heilmeyer) aufmerksam gemacht.

Die Geschichten ihres neuen, zweiten Buchs sind etwas länger geworden, doch wieder finden wir den hellen, knappen Ton. In kurzen, schnellen Schnitten leben wir zuweilen ein ganzes Leben mit. Das Rositas zum Beispiel: Sie hat schon von klein auf ihre Gefühle zur Seite gedrängt, unterdrückt. Mit vierzig schließlich spürt sie nur noch Resignation – und das „Früher“ beginnt sich seltsam zu verklären. „Früher“ ist eine eindrucksvolle kleine Studie über die Schmerzen und Tröstungen eines ungelebten Lebens.

Pea Fröhlichs Kurzgeschichten handeln von Frauen in der Lebensmitte. Sie sind „Bestandsaufnahmen“ en miniature, voller Erinnerung, Wehmut zuweilen, aber auch mit Signalen des Aufbruchs. „Der letzte Dreck“, die längste der zweiundzwanzig Kurzgeschichten, erzählt gleich von vier Frauenleben, die Pea Fröhlich geschickt ineinander verflochten hat, eine Geschichte, in der auch deutlich wird, daß Erniedrigung und Mißachtung des weiblichen Lebens nichts mit sozialem Status zu tun haben. Dabei bleibt die Autorin, die sich auch als Drehbuch-Schreiberin einen Namen gemacht hat, nicht nur in der Bundesrepublik. Auch andere Stimmen werden hörbar, andere Räume sichtbar. Einige Geschichten spielen am Mittelmeer oder in Moskau.

Johanna, ein „Muttertyp“, hat eine eher leise Stimme. Ihr Leben waren ihre Kinder, ein eigenes lebte sie eigentlich nicht. Als die Kinder das Haus verlassen, nickt sie nur resigniert. „So ist das also, dachte sie, so schnell geht das.“ Wie hier lüften oft erst die letzten Sätze der Geschichte den undurchsichtigen Schleier, der über den wahren Empfindungen der Frauen liegt.

Die Photos (wiederum von Jens Heilmeyer), die Pea Fröhlich auch dieses Mal ihren Geschichten beigefügt hat, sind manchmal kleine Idyllen – südländisch, sonnig, aus eigenwilliger Perspektive. Meist aber sehen wir in ihnen unsere in Beton erstarrte Umgebung, in der Einsamkeit und Tristesse dominieren.

Da halten wir’s lieber mit Pea Fröhlichs Marie, die einer Frau beim Fensterputzen zuschaut. Als diese plötzlich verschwunden ist, gerät Marie nicht gleich vor Angst in Panik. „Sie muß lachen: Sie ist einfach weggeflogen.“ Vielleicht hilft am Ende, am Ende der falschen Leben und verlorenen Gefühle, gegen die Resignation nur noch das: ein stiller, ein wenig irrer Humor. Anne Frederiksen

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