Es ist umstritten, woher die Bezeichnung "Renten" für festverzinsliche Wertpapiere kommt. Vom englischen to rent sagen die einen, von der deutschen Ruhestandsrente sagen die anderen. In jedem Fall denken die meisten Anleger bei Rentenwerten an Papiere, bei denen ihre Ersparnisse sicher aufgehoben sind und einen regelmäßigen Zinsertrag erbringen. Doch nicht alle "Renten" sind harmlos. Mit manchen läßt es sich wilder spekulieren als mit Aktien, mit höherem Risiko, aber auch mit größeren Gewinnchancen. Einige Investmentfonds haben sich auf solche Werte spezialisiert. Und wenn sie gut gemanagt werden, dann können sie – mit etwas Glück – alle anderen Rentenfonds um Längen schlagen.

Auch die derzeitigen Spitzenreiter der ZEIT/Südprojekt-Investmentanalyse sind "Rentenfonds mit Risiko". Von siebzehn Fonds mit dem Anlageschwerpunkt "internationale Renten" liegen zwei Fonds vorne, die in ihrem Portefeuille einen großen Anteil von Options- und Wandelanleihen haben. Diese Papiere berechtigen zum Erwerb von Aktien und ihre Wertentwicklung hängt deshalb stark vom Geschehen an der Aktienbörse ab. Welche Gefahren sie bergen, zeigt ein Blick auf den Kapital-Höchststand des DIT-Fonds für Wandel- und Optionsanleihen. 10 000 Mark Anfangskapital waren zwischenzeitlich schon auf über 15 000 Mark angewachsen, sind aber inzwischen wieder auf 13 574 Mark zusammengeschrumpft. Offenbar ist das eine Folge des "Schwarzen Montags" im vergangenen Oktober, denn Börsenkräche machen Options- und Wandelanleihen besonders stark zu schaffen. Die Manager von Nordcumula hatten den Crash besser im Griff. Davon zeugen ein niedrigerer Anlegerstreßfaktor und nur geringe Verluste im vierten Quartal.

Auf dem dritten Rang folgt mit dem Thesaurent ein Fonds, der sich auf Zerobonds, vor allem im Dollarraum, spezialisiert hat. Diese sogenannten Nullkupon-Anleihen sind abgezinste Schuldscheine: Man kauft sie zum Kurs von zum Beispiel dreißig oder vierzig Prozent und erhält am Ende der Laufzeit hundert Prozent zurück. Der abgezinste Kurs der Zerobonds reagiert besonders sensibel auf Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus. Gehen die Zinsen zurück, dann steigt der Kurs überdurchschnittlich und umgekehrt. Thesaurent profitierte auf diese Weise von den fallenden Zinsen in den Vereinigten Staaten – ein Prozent Zinsrückgang bedeutete für manche "Zeros" Kurssteigerungen von bis zu zwanzig Prozent. Wie nervenaufreibend dieses Spiel mit dem Zinstrend sein kann, läßt der hohe Anlegerstreßfaktor ahnen (siehe vorletzte Spalte).

Doch nicht nur spekulativ ausgerichtete Rentenfonds brachten es in den Jahren 1988 und 1989 auf vorzeigbare Ergebnisse. In jüngster Zeit machen den Fonds zwar die Schwankungen auf dem Devisenmarkt zu schaffen (siehe Trendanalyse), doch immerhin neun der siebzehn Fonds erreichten das Klassenziel: Ihr Ertrag liegt über dem Index, der quasi den Marktdurchschnitt widerspiegelt (siehe Index-Hürde). Selbst das Schlußlicht unter den international anlegenden Rentenfonds liegt mit einem Nettoertrag von 10,4 Prozent in zwei Jahren noch vor dem besten der Fonds mit dem Anlageschwerpunkt "inländische Renten", die wir in der ZEIT vom 2. Februar analysierten.

Mit ihren akzeptablen Ergebnissen haben sich die international ausgerichteten Rentenfonds zu den Publikumslieblingen der Investmentbranche entwickelt. Ihnen haben die Sparer mehr Geld anvertraut als allen anderen Fondsarten (Fonds mit den Anlageschwerpunkten Immobilien, deutsche Aktien, internationale Aktien, deutsche Renten sowie gemischte Fonds) zusammen. Von 121,9 Milliarden Mark, die die offenen Fonds insgesamt verwalten, entfallen 67,4 Milliarden auf die internationalen Rentenfonds. Ihnen flossen allein im vergangenen Jahr neue Mittel in Höhe von 17,2 Milliarden Mark zu. Dabei wählen die meisten Anleger freilich nicht die oben beschriebenen "Risiko-Fonds", sondern die großen Klassiker wie etwa DekaRent, Interrenta, Fondi-Rent, Unirenta und Internationaler Rentenfonds, die zwar keine Spitzenerträge erwirtschaften, aber insgesamt über 50 Milliarden Mark verwalten. Nordcumula und der DIT-Fonds für Wandel- und Optionsanleihen bringen es hingegen nur auf 54 und 31 Millionen Mark. Solidus