Ausgerechnet Südkorea. Fünfzig Kampfflugzeuge vom Typ Tornado hat die Bundesrepublik der Regierung in Seoul in Aussicht gestellt. Während die Politiker ständig und lauthals vom einig Vaterland schwärmen, scheuen sie sich nicht, den Konflikt zwischen den verfeindeten Brüdern in Korea durch Waffenlieferungen zu schüren. Denn wen anders als Nordkorea sollte Südkorea wohl mit Tornados bedrohen? Doppelmoral war schon immer wohlfeil, wenn sich gutes Geld mit Rüstungsexporten verdienen ließ. Aber wohl selten hat sich gemeiner Geschäftssinn so bedrückend entlarvt wie in diesem Fall.

Und nicht nur Südkorea wird bald mit bundesdeutscher Hilfe aufrüsten können. Der Bundessicherheitsrat genehmigte nun auch Exporte von Gepard-Flugabwehrpanzern nach Saudi-Arabien sowie von Unterseebooten nach Israel und Bahrain. Es fällt schwer zu glauben, daß diese Häufung zufällig ist. Offensichtlich nutzt man das große Geschrei um die deutsche Einheit, um heimlich, still und leise lukrative, aber unpopuläre Rüstungsexporte durchzusetzen.

Der Ost-West-Konflikt geht endlich seinem Ende entgegen, und es ist absehbar, daß bundesdeutsche Rüstungsfirmen auf dem Nato-Markt Einbußen werden hinnehmen müssen. Da scheint man sich besonders anzustrengen, um die Märkte im Süden der Erdkugel auszubauen, wo nicht so rasch mit Versöhnung und Ausgleich zu rechnen ist.

Wer selbst behaglich dem Frieden entgegensieht, sollte nicht am Streit anderer Völker verdienen. Das Argument, Arbeitsplätze müßten erhalten werden, zieht auch jetzt nicht. Denn bis wirklich Frieden ausbricht, ist Zeit genug, die Produktion umzustellen. dk