So lauteten die Kernsätze eines Briefes, mit denen der damalige bayerische Ministerpräsident Dr. Ehard am 7. Mai 1947 die Vertreter aller deutschen Länder zur Münchner Ministerpräsidentenkonferenz einlud. Das Treffen begann zwar am 5. Juni 1947, doch der Versuch, der Wiedervereinigung näher zu kommen, scheiterte sehr schnell, vordergründig an einem antiföderalistischen Antrag der ostdeutschen Länderchefs, es gelte die "zentrale Verwaltung" durch einen "Einheitsstaat" anzusteuern.

Jene "gesamtdeutsche" Ministerpräsidentenkonferenz fand freilich vor der Verabschiedung des Grundgesetzes vom 23. Mai 1949 und vor dem Beschluß über die erste Verfassung der DDR vom 7. Oktober 1949 statt, also zwei Jahre vor dem staatsrechtlichen Vollzug der deutschen Teilung. Die deutsche Einheit läßt sich seither nicht mehr vom staatsrechtlichen Nullpunkt aus entwerfen.

Welche Wege weist also das Grundgesetz zu jenem Ziel, das seine Präambel mit dem Satz umreißt: "Das gesamte deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden"?

Der erste Weg zur Einheit – die Beitrittsvariante – führt über Artikel 23 des Grundgesetzes:

"Dieses Gesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen."

Der zweite Weg zur Einheit – die Neuschaffungsvariante – ist in Artikel 146 des Grundgesetzes vorgezeichnet:

"Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist."