Ein Telephonanruf löste eine Lawine aus. Weil die vormalige Schweizer Justizministerin Elisabeth Kopp ihren Gatten vor einer Untersuchung gegen seine Firma warnte, muß sie sich nun als erstes helvetisches Regierungsmitglied vor Gericht verantworten. Untersuchungen im Zusammenhang mit dem "Koppgate" brachten zudem Licht in die Drogengeldwäscherei zwischen Jura und Alpen; sie ließen vor allem einen Schnüffelstaat-Skandal auffliegen. Nun sorgt auch die Schweiz für Schlagzeilen. Kopp sei Dank!

Noch leugnen Mächtige im Land eine Staatskrise. Doch wie sonst soll man es nennen, wenn Minister zu Marionetten werden, wenn der Staatsschutz die Ausübung demokratischer Rechte überwacht und Mißliebige zu Staatsfeinden stempelt, wenn Andersdenkende ausgegrenzt und selbst über Kinder geheime Karteien angelegt werden.

"Die Schweiz unterscheidet sich von einer Bananenrepublik nur noch dadurch, daß hier keine Bananen wachsen", tönt es von empörten Bürgern. Spott weicht der Wut gegenüber einer bislang gutgläubig akzeptierten Obrigkeit. Doch die Verantwortlichen mauern. Sie legen immer bloß offen, was sich eh nicht länger vertuschen läßt.

Drogengeldwäscherei, Ministerlügen, Schnüffelbürokratie – dies ist plötzlich das Bild von der Schweiz. Im Zeitalter von Glasnost verlieren sogar vermeintlich idyllische Musterdemokratien ihren Glanz. (Siehe Seite 86) F. G.