Das ist das, was ich die Indianereinstellung nenne. Die Indianereinstellung? Die Indianereinstellung geht so: Der Film zieht sich hin, Richard Widmark lacht irre, Henry Fonda blickt besorgt, das Drehbuch ächzt und krächzt, und dann wird es plötzlich still. Richard Widmark gefriert das irre Lachen, Henry Fonda blickt noch einen Tick besorgter, und dann haben wir die Bescherung. Die gesamte Hügelkette ist mit kostspieliger berittener Komparserie vollgestellt.

Halblaut sagt Richard Widmark zu Henry Fonda: "Indianer!"

Henry Fonda blickt besorgt zum anderen Horizont. Leben heißt Hoffen. Aber wieder nichts. Wieder nur Indianer. "Sie sind uns", sagt er mit tonloser Stimme, und das ist die Unverschämtheit, "die ganze Zeit gefolgt."

WENN IHR NICHT DIE GANZE ZEIT DIALOG GESPROCHEN HÄTTET, ist man versucht zu schreien, HÄTTET IHR DOCH GEMERKT, DASS EUCH VIERTAUSEND KOMPARSEN AUF DEN FERSEN SIND. Denn das merkt man doch. Da können sich die Komantschen noch so sehr die Hufe mit alten Socken umwickeln. So was merkt man immer. Als ich vor drei Jahren in Ost-Berlin war, habe ich gedacht: "Dir, meine liebe DDR, gebe ich noch drei Jahre. Aber dann ist Schluß." Denn man durfte ja in der DDR nicht über die Straße gehen, wo man nicht über die Straße gehen durfte. Und ich hatte ein schlimmes Knie und mußte durch einen Fußgängertunnel, anstatt einfach so zackoflex über die Straße zu gehen. In diesem Fußgängertunnel war ein Schild, auf dem Schild stand RAUCHEN VERBOTEN. Bis zum Ende des Tunnels, Leben heißt Hoffen, schaffe ich es, ohne zu aschen. Hätte ich auch geschafft. Aber dann kam eine Uniform und belferte mich an: "Hier herrscht Rauchverbot!" Das war the straw that broke the camel’s back beziehungsweise der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, und ich habe zurückgebelfert: "Vielleicht bei Ihnen, aber bei mir nicht." Da schleppt man sich mit einem schlimmen Knie eine Treppe runter, anstatt zackoflex wie zu Hause über die Straße zu gehen, wo es einem paßt, und dann das. Zivilcourage zum Nulltarif. Aber dann setzte er ganz groß an, wollte mich offenbar über seine Rechte belehren, bevor er mich mit der Aktentasche erschießt, aber irgendwie verlor er plötzlich die Lust daran, denn um uns herum standen sie, die Indianer. Sie waren uns nämlich die ganze Zeit gefolgt. Die Ureinwohner in Zivil. Die Fußgängertunnel-Intifada. "Euch gebe ich noch drei Jahre", habe ich gedacht, "aber dann seid ihr dran."

"Weißt du eigentlich", hat mich mal mein Freund Jupp gefragt, "warum ich so ein ehrlicher Mensch bin?"

"Ich weiß es nicht. Warum bist du so ein ehrlicher Mensch?"

"Weil man zum Lügen ein gutes Gedächtnis braucht. Und ich kann mir doch nichts merken."