DIE ZEIT

Ein Weltreich auf dem Rückzug

Der Kommunismus, der den Vielvölkerstaat der Zaren zum Leidwesen vieler Nationen siebzig Jahre konservierte, ist tot. Er hat Gorbatschows Radikalkur zur Modernisierung des Sowjetimperiums nicht überlebt.

DIE ZEIT nach drüben

Noch im Oktober 1989 passierte es immer wieder, daß DDR-Grenzer an den Übergangsstellen die ZEIT beschlagnahmten – als "faschistisches" oder "militaristisches" Druckerzeugnis.

Geschnüffelt

Ein Telephonanruf löste eine Lawine aus. Weil die vormalige Schweizer Justizministerin Elisabeth Kopp ihren Gatten vor einer Untersuchung gegen seine Firma warnte, muß sie sich nun als erstes helvetisches Regierungsmitglied vor Gericht verantworten.

Vorwärts & zurück

Der Bonner Fahrplan zur deutschen Einheit sieht kurze Fristen vor: deutsch-deutsche Gespräche gleich nach den DDR-Wahlen; Verhandlungen mit den vier Sieger- und Besatzungsmächten im Frühjahr und Sommer; im Herbst Besiegelung des Resultats durch die 28 anderen KSZE-Staaten bei einer Helsinki-Konferenz, die zugleich den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg beendet; im Dezember schließlich die ersten gesamtdeutschen Wahlen.

Verlängert

Nicht jedes Einparteiensystem führt zwangsläufig in den Ruin. Japan liefert dafür den Beweis. Unter der seit 1955 ununterbrochen regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) ist das Land zur führenden Industrie- und Finanzmacht aufgestiegen.

Zeitspiegel

Jetzt sollen die Rentenexperten sich auch noch als Vergangenheitsprüfer betätigen – denn Bonn plant, ehemaligen Stasi-Offizieren und Personen, die dem "System der Unterdrückung erheblich Vorschub geleistet" haben, die West-Rente zu verweigern.

Worte der Woche

"Ich möchte betonen, daß ich nie in meinem Leben politische Entscheidungen aus egoistischen Motiven getroffen habe und daß ich mich frei von jeder Schuld im strafrechtlichen Sinne fühle.

Reaktionen auf die Vereinigungs-Diskussion: Die Angst vor dem Ausverkauf

Für manche DDR-Fernsehzuschauer waren die Bilder vom deutsch-deutschen Gipfel symbolisch: "Der hochgewachsene, korpulente Kohl mit seinem gönnerhaften Selbstbewußtsein, daneben der eher schmächtige Modrow, mit sorgenvoll zerfurchter Stirn und dem protzigen Stolz: Ich komme aus einem Land, in dem Menschen Revolution gemacht haben.

Die Einheit, die spaltet

Mit einer Botschaft an die Deutschen, die sich auf dem Weg zur Einheit befinden, hat sich Richard von Weizsäcker zu Wort gemeldet.

Ausländerrecht: Härte zur falschen Zeit

Hat in Bonn schon mal jemand darüber nachgedacht, ob es sinnvoll sein könnte, die Gesetzgebungsmaschine der Bundesrepublik für eine Weile anzuhalten? Alle reden von der innerdeutschen Rechtsangleichung; sie steht uns ernstlich bevor, wenn die DDR oder ihre wieder ins Leben gerufenen Länder sich nach der ersten freien Wahl entschließen, unter das Dach des Grundgesetzes zu treten.

Bonner Bühne: Stasi im Westen

Vergebens wollte Burkhard Hirsch der Regierung nähere Angaben darüber entlocken, wie viele Briefe der Bundesnachrichtendienst allein im vergangenen Jahr wieder geöffnet hat.

Weltbühne: Vorbild Deutschland?

Als die Regierungschefs der zwölf EG-Länder Mitte Dezember des vergangenen Jahres das Selbstbestimmungsrecht für alle Deutschen akzeptierten, hörten nicht nur die Bewohner der Bundesrepublik und der DDR sehr genau zu.

Deutschland geizig Vaterland

Die Kolonisatoren fahren in schweren, dunklen Limousinen vor und nehmen das herrenlose Territorium mit Maßband und Videokamera in Besitz.

Diskussion um eine Grenzsperre am Bodensee: Der Zaun soll weg

Während im östlichen Europa die Grenzzäune fallen, verfestigt sich im Süden der Bundesrepublik ein Maschendraht: der etwa ein Kilometer lange Zaun zwischen der deutschen Stadt Konstanz am Bodensee und ihrer unmittelbaren Schweizer Nachbarin Kreuzlingen.

Ganz konkret unsolidarisch

Am Montag abend haben Pioniersoldaten der DDR am Brandenburger Tor begonnen, die Mauer auf breiter Front abzubauen. Ein Drahtzaun soll sie ersetzen, ein kurzlebiges Provisorium, das mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten verschwinden wird.

Wer zahlt die Medizin?

Was darf die deutsche Einheit kosten? Die Bundesrepublik sei zu einer "völlig neuen Dimension der Hilfe bereit", versprach Helmut Kohl ein paar Tage, nachdem sich die Mauer geöffnet hatte.

Bonner Kulisse

Wenn Begriffe eine Bedeutung haben, dann deutet die Begriffsverwirrung der letzten zwei Wochen darauf hin, daß die Politik der Bundesregierung alles andere als klar ist.

Waffenexporte: Doppelmoral

Ausgerechnet Südkorea. Fünfzig Kampfflugzeuge vom Typ Tornado hat die Bundesrepublik der Regierung in Seoul in Aussicht gestellt.

DDR: Erhard zwo

Was kostet die DDR? 500 Milliarden Mark vielleicht oder gar eine Billion? Egal – alle wissen, daß jede Menge Geld nötig ist, um ein zweites deutsches Wirtschaftswunder zu errichten, und daß die Milliarden vor allem aus dem Westen kommen müssen.

Säckeweise Deutsche Mark

Gepanzerte Fahrzeuge rollten am 5. Juli 1959 in großer Zahl aus dem Bundesgebiet ins Saarland. Ziel waren Banken und Sparkassen.

U-Boot-Affäre: Vermerk mit Folgen

Angelika Beer, Bundestagsabgeordnete der Grünen, ist sich nun ganz sicher: "Der Verdacht der Strafvereitelung im Amt ist nicht etwa ausgeräumt, sondern er hat sich erhärtet.

Zehn Prozent in Sicht

Während die Mark auf den internationalen Devisenmärkten ihre Stabilität mit Erfolg verteidigt, wächst auf dem deutschen Rentenmarkt die Sorge vor einer Überbeanspruchung im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der Währungsunion mit der DDR.

Manager und Märkte

Gut 25 000 Tonnen chlorierter Kohlenwasserstoffe (CKW) wurden auf dem Verbrennungsfrachter Vesta noch im vergangenen Jahr verfeuert.

Wachsame Hüter

Insgesamt positiv gestimmt sieht die Deutsche Bundesbank der wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr entgegen. Anzeichen, die auf ein Nachlassen der guten Konjunktur hindeuten, erkennen die Frankfurter Währungshüter nicht.

Eiserner Kraftakt

Wirtschaftsminister Helmut Haussmann fand mühelos Anschluß an die Linie des Kanzlers. Als ihn im Sommer vergangenen Jahres die größte Boulevardzeitung des Landes fragte, "ob wir uns die 35-Stunden-Woche leisten" können, antwortete der frischgebackene Minister, "pauschale weitere Arbeitszeitverkürzungen sind unverantwortlich".

Blick nach Westen

Esten, Letten und Litauer drängt es hin nach Europa. "Wir haben das Recht, nach eigenem Willen unter dem europäischen Dach zu leben, von dem wir weggerissen worden sind", sagte K.

Wirtschaftsbuch: Mythos der Harmonie

Ich ging in die Kollektivverhandlungen mit dem festen Entschluß, eine Übereinkunft zu erzielen. Aber der vereinbarte Zeitpunkt verstrich, und die Vertreter der Geschäftsleitung erschienen nicht.

Das Gebiet um Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, eignet sich nach Ansicht von F. Wilhelm Christians besonders gut für eine Industrie- und Freihandelszone in der Sowjetunion. Der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank will die Regierung in Moskau für seinen Plan gewinnen.: Auf Tuchfühlung

Das Wort vom gemeinsamen Haus Europa hat im Westen viele Deutungen und Mutmaßungen erfahren. In der westeuropäischen Öffentlichkeit sind mit der Metapher mehr Fragen als Antworten verbunden.

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