Gut 25 000 Tonnen chlorierter Kohlenwasserstoffe (CKW) wurden auf dem Verbrennungsfrachter Vesta noch im vergangenen Jahr verfeuert. Als Umweltminister Klaus Töpfer aber im Dezember die zulässige Verbrennungsmenge für 1990 auf 10 000 Tonnen beschränkte, stellten die beiden Vesta-Betreiber, Süd-Müll und die Gesellschaft für Verbrennung auf See (GVS), verärgert die Seeverbrennung ganz ein. Offizielle Begründung: fehlende Wirtschaftlichkeit. Jetzt haben GVS wie Süd-Müll Wege in die wenigen europäischen Landverbrennungsanlagen (LVA) gefunden, die bundesdeutsche nicht wiederverwertbare Lösemittelrückstände durch ihre Schlote jagen.

Die LVA Ekokem in Finnland, die dänische Kommunekemie, die französische LVA Tredi bei Lyon und die veralteten britischen Anlagen Rechem und Cleanaway haben deutschen Entsorgungsunternehmen die Abnahme von CKW-Abfällen zugesagt.

Die Umweltminister der Lander hatten zwar eine strenge Kontrolle des CKW-Exportes angekündigt. Doch aus Angst davor, daß sich die Besitzer ihrer Lösemittelrückstände illegal entledigen, sind die zuständigen Behörden eher großzügig. So genehmigte die baden-württembergische Bezirksregierung in Karlsruhe der Süd-Müll die Belieferung der französischen Zementfabrik Vicat mit Lösemittelrückständen, die dort als Brennstoff eingesetzt werden. Eine weitere Kundin, die RTR bei Metz, gibt ihre Süd-Müll-Ware nach eigenen Angaben ebenfalls unbehandelt an französische Zementhersteller weiter.

Dabei legt die Karlsruher Bezirksregierung noch eine gewisse Strenge an den Tag, weil sie die Ausfuhr der Lösemittelrückstände als genehmigungspflichtigen Export von Sonderabfällen einstuft. Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen drücken beide Augen zu und betrachten den CKW-Müll, sofern er angeblich zum Beheizen von Zementöfen vorgesehen ist, großzügig als Wirtschaftsgut. Damit ist jede Kontrolle über den Verbleib der giftigen Brühe praktisch unmöglich.

Dem Chef der DDR-Autofabrik Wartburg in Eisenach, Wolfram Liedtke, laufen die Arbeiter weg, weil sie nicht an eine Zukunft des maroden Betriebes glauben, der Automobile von gestern mit einer Produktionstechnik von vorgestern baut. Deshalb trat Liedtke nun die Flucht nach vorn an und erklärte Hoffnungen schon für Tatsachen. So gut wie einig sei man mit Opel, daß demnächst Opel-Modelle auch in der DDR produziert werden sollen. Liedtke ganz konkret: Jährlich 150 000 bis 250 000 Autos werden angepeilt. Und sogar die Verkaufspreise kennt der Wartburg-Chef schon: 16 000 bis 24 000 Mark; vermutlich D-Mark.

Fest steht: Gespräche zwischen Opel und Wartburg haben stattgefunden und sollen weitergeführt werden. Wahrscheinlich geht es Liedtke einfach nicht schnell genug. Ein bißchen Verzweiflung klingt schon aus seinen Worten: "Wenn wir bis spätestens 1994 kein neues Auto präsentieren, hat die Wartburg-Stadt keinen Automobilbau, aber 90C0 Arbeitslose mehr."

Starke Nerven muß Peter Tamm, der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlages, in den nächster Wochen beweisen. Hat er die nicht, könnte er zum Gespött der gesamten Medienbranche werden. Denn auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung des Privatsenders Sat 1, an dem das Hamburger Verlagshaus direkt und indirekt mit knapp dreißig Prozent beteiligt ist, soll am 5. März über den Kauf eines Filmpaketes von 2000 Flmen für 875 Millionen Mark ertschieden werden. Das Pikante an der Sache: Angeboten werden die Streifen von der MH Medien Handels AG des Metro-Gründers Otto Beisheim. Der hatte die Zelluloidstreifen zum Jahresende von dem Münchner Filmhändler und Sat 1-Mitaktionär Leo Kirch wesentlich günstiger erworben. Genaue Zahlen sind zwar nicht bekannt, Branchenkenner allerdings sind sicher, daß Beisheim lediglich zwischen 200 und 600 Millionen Mark bezahlt hat. Die Chancen von Sat 1, den Preis im Laufe der Verhandlungen noch zu drücken, sind jedoch denkbar gering. Der Sender ist nämlich dringend auf neue Filme angewiesen, weil bisher versäumt wurde, eine Filmvorratspolitik zu betreiben. Andere Filmpakete, die mit dem Beisheim-Angebot konkurrieren könnten, sind derzeit nicht auf dem Markt. Springer-Chef Tamm – derzeit amtierender Aufsichtsratsvorsitzender von Sat 1 – bleibt insofern nichts übrig, als in dieser Pokerpartie zu bluffen und darauf zu hoffen, daß die Mitspieler nicht wissen, daß er keinen Trumpf in der Hand hat. Sonst nämlich steht er als der Blamierte da. Noch im September hatte er ein Angebot Kirchs, Sat 1 für 700 Millionen Mark 1500 Filme und 1000 Serienstunden zu verkaufen, empört als Erpressung abgelehnt. Wie heißt es doch im Volksmund so richtig: "Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte." Der dritte ist Otto Beisheim, der dank des Krachs zwischen Tamm und Kirch in wenigen Wochen möglicherweise um mehr als hundert Millionen Mark reicher wird.