Von Bernhard Blohm

Am liebsten wäre es ihm, das Ganze liefe so geheim ab "wie seinerzeit 1948". Aber das wird wohl ein frommer Wunsch von Bundesfinanzminister Theo Waigel bleiben. Die Kommission, die jetzt über eine deutsch-deutsche Währungsunion beraten soll, geht unter ganz anderen Vorzeichen an ihr kompliziertes Werk als damals die Baumeister der Währungsreform von 1948.

Damals, am 20. April 1948, wurden die Mitglieder der Währungskommission in einem Bus mit Milchglasscheiben in eine mit Stacheldraht umzäunte Kaserne in Rothwesten bei Kassel gefahren. Wohin sie gebracht wurden, wußten die Experten, darunter etwa der Frankfurter Volkswirtschaftsprofessor Hans Möller oder Otto Pfleiderer, ebenfalls Wirtschaftswissenschaftler und später Präsident der Landeszentralbank Baden-Württemberg, ebensowenig wie die Dauer ihres Aufenthaltes. Schließlich blieben sie 49 Tage in dem öden, von schwerbewaffneten Soldaten bewachten Bau, bis die Geldreform von 1948 unter Dach und Fach war.

Heute ist das anders. Zwar vereinbarten die Gesprächspartner aus Deutschland-West und -Ost "absolute Vertraulichkeit", aber das scheint merkwürdigerweise doch ein relativer Begriff zu sein. In der Welt gab Bernhard Jagoda, CDU-Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium und Mitglied der Währungskommission, jedenfalls seine Verhandlungsposition für die erste Gesprächsrunde am Dienstag dieser Woche im Haus des Ministerrats in Ost-Berlin bekannt: "Unser Sozialversicherungssystem wäre am besten für die DDR."

Da zeigt es sich, daß die große Politik am Beratungstisch sitzen und die Währungsunion zu einem Polit-Spektakel ersten Ranges werden wird. Alles andere als ruhig und unbelastet von den Interessenlagen der Politiker in beiden Teilen Deutschlands werden die ernannten Experten ihr schwieriges Amt verrichten können – wenn sie denn welche sind. Denn auch das ist bemerkenswert: 1948 trommelten die Alliierten die besten Kräfte aus Politik und Wissenschaft zusammen, um die Währungsreform vorzubereiten. Von wenigen ausgewiesenen Experten wie etwa Helmut Schlesinger abgesehen, ist diesmal eine eher merkwürdige Truppe zusammengekommen.

Was gerade Bernhard Jagoda oder Pfarrer Rainer Eppelmann vom Demokratischen Aufbruch für diese Aufgabe prädestiniert, wissen wohl nur Helmut Kohl und die Politiker am Runden Tisch. Als Währungsexperten haben sie und andere sich bisher jedenfalls nicht hervorgetan. So gesehen verwundert es kaum, daß die Kommission schon jetzt in Bonner Kreisen als "Hilfsarbeitertruppe" diskreditiert wird.

Das ist fatal, denn die Aufgabe der jetzigen Währungskommission ist ungleich schwieriger als die des Vorgängergremiums im Jahre 1948. Damals ging es im Grunde nur um eines: um die Beseitigung des riesigen Geldüberhanges nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt geht es um etwas ganz anderes: Die Politiker möchten den gewaltigen Strom der Übersiedler aus der DDR stoppen, der aber nur eine einzige Ursache hat – das eklatante Wohlstandsgefälle zwischen beiden Teilen Deutschlands.