Von Roland Kirbach

Zweibrücken

Sergeant Richard Shick, der von allen "Rick" genannt wird, ist der Widerwille deutlich ins Gesicht geschrieben. An der Wache holt er uns ab, um uns mit seinem olivfarbenen Militär-VW-Bus durch die "Zweibrücken Air Base" zu chauffieren. Rick Shick arbeitet seit neun Jahren im "Public Affairs Office" des US-Militärflughafens; doch so viele Journalisten wie in diesen Tagen hat er noch nie hier oben gesehen. Seit 1953 existiert der Fliegerhorst, doch erst jetzt, seit bekanntgeworden ist, daß die Amerikaner ihn bis Ende 1993 aufgeben wollen, interessiert sich alle Welt für ihn. Der Kommandant, Colonel Kenneth Funkhouser, ist es mittlerweile leid, Interviews zu geben. Statt dessen drückt uns Rick Shick eine "Biography" des Oberst in die Hand, aus der alles hervorgeht: daß Funkhouser aus New Castle, Pennsylvania, stammt; daß er 45 Jahre alt ist und zwei Kinder hat, Todd und Lauren.

Rund 300 Hektar umfaßt der Flugplatz. Er ist Standort des 26. Taktischen Aufklärungsgeschwaders, des einzigen US-Aufklärungsgeschwaders in Europa. Ferner sind eine Aufklärungsstaffel, eine Lufttransportstaffel und zwei Radareinheiten hier stationiert. Rund 3500 US-Soldaten versehen ihren Dienst auf der Air Base, hinzu kommen 360 amerikanische und 340 deutsche Zivilbedienstete. Weitere 3400 Familienangehörige der Soldaten leben in Zweibrücken.

Natürlich, räumt Rick Shick ein, sei das ein schwerer Schlag für eine so kleine Stadt, wenn mit einem Mal 7000 Menschen fehlen und 360 Arbeitsplätze weg sind. "Aber kein Job ist für immer, you know", meint Rick. Für ihn ist das nun schon der dritte Flugplatz, der dichtmacht. Die Soldaten würden halt woandershin versetzt, und für die deutschen Zivilangestellten würden sicher auch neue Jobs in der Nähe gefunden. Die US-Luftwaffenstandorte Ramstein und Sembach seien ja nicht weit weg.

So locker kann das Gerhard Kambach, der Leiter der Zweibrücker Dienststelle des Arbeitsamts Pirmasens, nicht sehen. Die neuesten Arbeitslosenzahlen vom Januar liegen vor ihm: 9,5 Prozent beträgt die Quote, sie lag auch schon mal bei über elf Prozent. Dank des Aufschwungs in der Metallindustrie und im Maschinenbau, den in Zweibrücken dominierenden Branchen, habe es in jüngster Zeit wieder ein paar Neueinstellungen gegeben. Sogar eine Neuansiedlung gab es kürzlich zu begrüßen: Die japanische Firma Kubota, ein Hersteller von "Kleinbaggern", eröffnete ein Werk mit 120 Beschäftigten.

Ansonsten aber gibt es nur wenig Lichtblicke. Die Schließung des Adidas-Werks mit 500 Beschäftigten vor einiger Zeit ist kaum verkraftet, da sieht Kambach nun die 340 Zweibrücker Zivilbediensteten der US Air Force auf sich zukommen. "Das sind überwiegend hochqualifizierte Leute", sagt er; nur leider sei der Zweibrücker Arbeitsmarkt "nicht aufnahmebereit" für sie. Entweder sind sie, beispielsweise als Computerfachleute, einfach zu qualifiziert für diesen strukturschwachen Raum; oder ihr Wissen taugt nicht fürs Zivilleben.