Während die Mark auf den internationalen Devisenmärkten ihre Stabilität mit Erfolg verteidigt, wächst auf dem deutschen Rentenmarkt die Sorge vor einer Überbeanspruchung im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der Währungsunion mit der DDR. Außerdem steigt die Furcht vor zunehmenden Inflationsgefahren. Beides hat bei den festverzinslichen Papieren erhebliche Turbulenzen ausgelöst. Manche Banken sprechen bereits von einer Zinspanik.

Seit Jahresbeginn haben die Kurse von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit schon rund zehn Prozentpunkte verloren. Ihre Renditen haben die Marke von neun Prozent übersprungen. Auch Hinweise auf die ungewöhnlich hohe Realverzinsung in der Bundesrepublik können die Anlageexperten nicht aus ihrer Zurückhaltung locken. Sie wissen, daß die Realverzinsung nur eine Momentaufnahme ist und sich bei zunehmender Geldentwertung rasch verringern kann.

Wegen der Zinssituation hat die BHF-Bank eine unter ihrer Leitung begebene Anleihe des algerischen Erdgas- und Stromverteilers Sonelgaz wieder zurückgezogen. Diese Emission war bei fünfjähriger Laufzeit mit einem Zinssatz von 9,5 Prozent ausgestattet, wurde unter Banken jedoch zu Kursen gehandelt, die eine Rendite von über zehn Prozent brachten. Inzwischen sind die ersten auf Mark lautenden Auslandsanleihen mit einem Nominalzinssatz von glatten zehn Prozent angekündigt.

Der ungewöhnliche Zinsanstieg hat die "Osthausse" auf dem deutschen Aktienmarkt zunächst einmal beendet. Inländische Anleger neigen zu Gewinnmitnahmen, auch Ausländer machen teilweise Kasse. Insgesamt blieb aber das Angebot bisher vergleichsweise bescheiden. Sobald die Japaner als Käufer an der deutschen Börse auftreten, steigen die Kurse sofort zweistellig an.

Die Börsenprofis gehen von weiteren heftigen Schwankungen am deutschen Aktienmarkt aus. Banken sind nur noch mittel- und langfristig für deutsche Spitzenwerte zuversichtlich. Belastungen durch die Zinssituation und durch Diskussionen über mögliche Steuererhöhungen müßten kurzfristig einkalkuliert werden, meinen sie. An der Deutschen Terminbörse hat sich das Verhältnis zwischen calls und puts, also von Optimisten zu Pessimisten, auf 2,5 : 1 verschlechtert, nachdem es zuvor überwiegend bei 4 : 1 gelegen hatte.

Der Start des Bezugsrechtshandels für die jungen Aktien der Deutschen Bank verlief weniger dramatisch als befürchtet. Von einer Sonderbelastung durch die Kapitalerhöhung war keine Rede.

K.W.