West-Rente für Honecker

Jetzt sollen die Rentenexperten sich auch noch als Vergangenheitsprüfer betätigen – denn Bonn plant, ehemaligen Stasi-Offizieren und Personen, die dem "System der Unterdrückung erheblich Vorschub geleistet" haben, die West-Rente zu verweigern. Sonst könne gar Erich Honecker nach einer theoretischen Flucht aus der DDR Altersruhegelder aus bundesdeutschen Beiträgen beanspruchen. Doch das, so der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger, Rudolf Kolb, läßt sich ohnehin nicht verhindern: "Wenn Herr Honecker kommt, kriegt er Rente, denn er hat mal im Saarland gearbeitet." Dort hat er in den zwanziger Jahren in Wiebelskirchen Dachdecker gelernt und war von 1931 bis 1933 hauptamtlich Funktionär des kommunistischen Jugendverbandes. Ohnehin sei fraglich, so frotzelte Kolb, "ob er nicht als politisch Verfolgter Rente bekommen muß".

Stalin im Angebot

Wie viele Kronen ist ein Stalin-Denkmal wert? Die Stadtväter im tschechoslowakischen Zäbreh stellen sich die Frage erst gar nicht – sie wollen harte Valuten sehen: Für 50 000 Dollar bieten sie ein Monument des verhaßten Tyrannen feil. Der Käufer "wird nicht nur eine einzigartige Kuriosität erhalten, er wird auch den Kampf des tschechoslowakischen Volkes für Freiheit und Demokratie unterstützen", heißt es in ihrer Annonce. Mit dem Erlös soll das örtliche Hospital modernisiert werden. So verbessert also der Volksfeind Stalin auf Umwegen die Volksgesundheit.

Abschiedsfreude

Brasiliens Präsident José Sarney sorgt sich bis zum letzten Amtstag Mitte April um das Wohlergehen seiner Schützlinge. Par ordre de moufti wurde deshalb die Ausgabenbeschränkung rückgängig gemacht: Dienstreisen für treue Staatsdiener, Rundfunk- und Fernsehlizenzen für Gesinnungskameraden, Beihilfen für Provinzfürsten, Posten für Neffen und Nichten – "der Zug der Freude", wie man in Brasilia den Kassensturz zugunsten der amigos nennt, ist in voller Fahrt. Die Ausgaben der Regierung allerdings sind nicht gedeckt, die Notenpresse muß schneller laufen. Gleichzeitig meldet das Jornal do Brasil aus Teresina: "300 Landarbeiter plünderten gestern aus Hunger eine Schule und entwendeten aus den Vorratsräumen Reis und Bohnen, die für die Schulspeisung gedacht waren."

Amerika im Abseits

Seit Monaten fühlt sich Washington ins Abseits der Weltpolitik gedrängt – sie geschieht derzeit auf dem Alten Kontinent. So mancher Politprofi findet sich in der Beobachterrolle freilich nur schwer zurecht: Peggy Noonan zum Beispiel, die als Redenschreiberin von Ronald Reagan so manches über das Reich des Bösen, über die Sowjetunion, soufflierte. Vielleicht sei es ja ganz heilsam zu sehen, daß die Welt sich auch ohne amerikanische Erlaubnis oder Ermunterung verändern könne. Aber es plagt sie doch – schließlich "ist es verwirrend, wenn man niemandem die Rolle des Bösen zuschreiben kann".