Von Ulrich Stock

Der "Wassertisch" steht im Hof des städtischen Kinderhilfezentrums an der Düsseldorfer Eulerstraße. Er ist so hoch wie ein gewöhnlicher Tisch, aber breiter. Vier kräftige Beine tragen eine drei mal drei Meter große Platte. Sie ist aus hellen, einfachen Holzlatten zusammengenagelt, die ein flaches Becken bilden, elf Zentimeter tief. Eine durchsichtige Kunststoffolie hindert tausend Liter Wasser daran, durch die Ritzen zu tropfen.

Auf jeden Windhauch, jeden Sonnenstrahl reagiert der Tisch. Das klar schimmernde Wasser spiegelt die Häuser ringsum, die Wolken; Wellen verzerren die Bilder und projezieren graphische Muster auf die Kunststoffolie, deren Knitterfalten sich wie Adern über den Holzgrund schlängeln.

Letzte Woche Dienstag gegen Mittag war der Wassertisch noch gar nicht ganz fertig, als ein Mann mit einer Kuh unter dem Arm den Hof betrat. "Hier ist das Bild von der Ausstellung zurück", rief er laut und schwenkte die braun-weiße Kuh, die ein Kind auf eine Leinwand gemalt hatte.

"Stellen Sie’s mal da rein", sagte Franz Karl Bößer, der an seinem Wassertisch stand, und deutete auf das Haus. Dann sah er wieder dem Schlauch zu, mit dem er das Bassin vollaufen ließ.

Vom Haus kam der Mann ohne Kuh zurück und stellte sich neben den Wassertisch: "Was soll das hier denn nun werden?" erkundigte er sich. "Ich bringe die Wasserfrage auf den Tisch", erklärte Bößer.

"Ah, so", sagte der Mann. Ratlos sah er auf die glitzernde Fläche.