Als Vorbilder in Mitteldeutschland, so hat Helmut Kohl kürzlich argumentiert, könnten Konrad Adenauer und Ludwig Erhard dienen. Sie hätten nämlich die Bedingungen für ein Wirtschaftswunder im Westen geschaffen, was heute auch wieder möglich sei.

Möglich in Mitteldeutschland? Das Wörtchen, dachte man, sei Ende der sechziger Jahre verschieden, weil es zur Politik des Ausgleichs und der Anerkennung nicht passen wollte. Wenn nämlich die DDR Mitteldeutschland ist, wo läge dann Ostdeutschland, und müßte man nicht daran denken, die Sache aus rein sprachlichen Gründen zu komplettieren?

Auch große Zeitungen, die es sich schon abgewöhnt hatten, benutzen seit dem 9. November wieder den Jargon, den man nur noch von den Vertriebenen-Verbänden kannte. Das deutsch-deutsche Wörterbuch der Umgangssprache wird politisch neu redigiert. Aber man kann mit Wörterbüchern keine Grenzen verschieben, keine Angst.

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„Den kann man in der Pfeife rauchen.“ Mit diesem Satz über Ibrahim Böhme wird Kanzlerberater Horst Teltschik im Stern zitiert. Böhme ist immerhin der neugewählte Vorsitzende der DDR-SPD. Das zeugt nicht von besonderem Fingerspitzengefühl, kommt gerade deswegen aber auch nicht überraschend. Einen Schritt weiter ging Teltschik mit der Bemerkung, der „Schlüssel für die Einheit“ liege ausschließlich in Bonn.

Richtig ist zwar, daß ernsthafte Leute – auch bei den Sozialdemokraten – das so sehen. Aber es macht schon einen Qualitätssprung aus, damit öffentlich aufzutrumpfen. Sie wirkt ziemlich herablassend, die politische Sprache im einheitsfixierten Bonn. Und dabei wird die Hauptstadt gerade neuerdings doch besonders gern als Ausdruck der gewachsenen, bescheidenen Demokratie besungen.

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