Zum Beispiel Getty, Menil und Guggenheim

Von Petra Kipphoff

Bilder einer Reise zur Kunst in Amerika

Das Verkehrsschild sagt: nächste Ausfahrt J. Paul Getty Center. Den Sunset Boulevard im Rücken und den San Diego Freeway unter den Rädern machen wir einen Schwenk nach rechts, tauchen unter der Straße durch, rumpeln auf der anderen Seite über Stock und Stein, an Bauarbeitern und einem Kran vorbei, einen sanft ansteigenden Bergrücken hinauf, stehen dann da. Nicht vor dem Getty Center, sondern an dem Ort, an dem es 1995 eröffnet werden soll. Und das Schild? Das Abbiegerschild am Freeway ist nicht nur ein staatlich gestaltetes, unauffälliges Stück Werbung, es zeigt auch jenen selbstbewußten, zukunftsorientierten spirit of enterprise am Werk, den wir in der amerikanischen Politik zur Zeit so schmerzlich vermissen.

Daß wir ihm hier im Großraum Los Angeles noch begegnen, hängt vielleicht auch damit zusammen, daß Harold M. Williams, der Präsident der Getty-Stiftung, unter Jimmy Carter eine Spitzenposition in der amerikanischen Finanzpolitik innehatte. Als Ronald Reagan dann in Washington einzog, ging Williams zurück nach Los Angeles. Und legte, 1982 von den Mitglieder des Getty – Stiftungsrates zum Präsidenten berufen, mit einem komplizierten Statuten- und Vertragswerk das Fundament für die Zukunft der Stiftung. Nachdem nämlich die Klage der Getty-Erben gegen das Testament des exzentrischen Familienoberhauptes (demzufolge die Aktien der Getty Oil Company dem Getty-Museum zukommen sollten) erfolgreich abgewehrt worden war, ging es jetzt um die Etablierung der Stiftung. "The J. Paul Getty Trust" wurde 1982 von Williams gegründet. Damit war nicht nur die Steuerfreiheit erreicht (um sie zu erhalten, müssen jedes Jahr 4,25 Prozent des rund 3 Milliarden Dollar umfassenden Stiftungsvermögens für gemeinnützige Zwecke ausgegeben, will sagen Kunstwerke angeschafft werden), sondern auch eine Neuorientierung beschlossen.

Als J. Paul Getty, der Ölmilliardär mit der launischen Liebe zur Kunst, sich 1974 eine komplette Replik der in der Asche von Pompeji versunkenen Villa dei Papiri zwischen die Palmen und Felsen von Malibu setzte und sie mit seinen disparaten Sammlungsschätzen füllte (griechische und römische Skulptur, französische Rokokomöbel, Malerei alter Meister), da gab es nur das Museum. Durch die von Williams gestarteten neuen Aktivitäten geriet das Museum plötzlich in die Rolle des Einzelkindes, das unerwartet und auf einen Schlag noch sechs Geschwister bekommt. Zur Getty-Stiftung gehörten seitdem das

  • "Center for the History of Art and the Humanities", in das international anerkannte Wissenschaftler eingeladen werden, um hier, umgeben von Hilfsmitteln und Hilfskräften, von denen sie zu Hause nur träumen können, ein Jahr forschen und sich mit Kollegen austauschen zu können;
  • das "Conservation Institute", in dem in Seminaren und Workshops, mit Hilfe eines Laboratoriums, einer Datenbank und einer großen Bibliothek Konservatoren ausgebildet werden;
  • das "Center for Education in the Arts", das sich dem Kunstunterricht an den Schulen widmet;
  • das "History Information Programme", eine riesige Datenbank, die international "vernetzt" ist (zum Beispiel mit der Witt-Bilderbibliothek in Marburg und dem Courtault Institute in London);
  • das "Programme for Art on Film", das die Dokumentierung der Kunst per Film und Video verbessern will;
  • das "Museum Management Institute", das Kunsthistorikern das Wirtschafts-ABC beibringt, das sie zur Leitung des Betriebs namens Museum brauche;
  • das Museum in Malibu.