Von Roland F. Karl

Gleichmäßig brummen die Propeller der Fokker, die zweimal wöchentlich von Grande Comore über Anjouan zur Komoren-Insel Mayotte fliegt. „Du reist in die richtige Richtung“, schwärmt mein schwarzer Sitznachbar, „denn das ist nicht bloß eine Insel. Mayotte ist anders!“ Das allerdings hat hier noch jeder von seinem Heimateiland behauptet.

Sicher, Grande Comore wartet mit einem 2361 Meter hohen Vulkan, dem Kartala, auf, dessen letzte Eruptionen 1972 und 1977 gewaltige schwarze Lavaschneisen ins grüne Tropenland geschlagen haben. Die Insel Anjouan wiederum besticht durch ihr bizarres Landschaftsbild: Enge, tiefe Täler liegen zwischen hohen Gipfeln, Wasserfälle und Flüsse rauschen im dichten Regenwald. Und Moheli ist so unberührt, daß die Regierung der Komoren einen Teil davon unter Naturschutz stellen möchte.

„Aber Mayotte“, so höre ich vom Nebensitz, Mayotte sei eine ganze Welt für sich. Während die Maschine zum Sinkflug übergeht, wird draußen sichtbar, was an dieser Inselwelt so aufregend anders ist – die Landschaft:

Etwa tausend Quadratkilometer mißt die (laut Eigenwerbung) größte Lagune der Welt, die 140 Kilometer lang und zwischen fünf und zwanzig Kilometer breit ist. Selbst die mehrheitlich einheimischen Fluggäste drücken sich ganz aufgeregt die Nasen an den Fenstern platt.

Bei der Ankunft gibt es einen Gratiscocktail, der nicht eben jedermanns Geschmack ist. „Erst schlucken, dann zum Stempeln“, weist der Visabeamte auf die korrekte Reihenfolge hin. Schließlich würgen auch die Ängstlichen den unerwarteten Malaria-Mix mit einem ordentlichen Schluck Wasser hinunter. Die Behörden sind sehr stolz, daß die Krankheit auf Mayotte beinahe ausgerottet ist.

Ich verziehe das Gesicht ob des ungewohnten Begrüßungstrunks, der Mann am Schalter lächelt dazu milde und donnert seinen Stempel in den Paß: République Française prangt deutlich lesbar dort. Seit 1843 weht die Trikolore im warmen Tropenwind der Komoren – heute allerdings nur noch auf Mayotte.