Von Barbara Ungeheuer

Am South Street Seaport an der Südspitze Manhattans ist die happy hour in vollem Schwung. Wenn an der nahegelegenen Wall Street die Arbeit getan ist, füllt sich der gläserne Amüsier-Bazar am East River mit Börsenmaklern, Sekretärinnen und Elektronikspezialisten. Ein beliebter Treffpunkt für Singles. Ob Austern- oder Western-Bar, für jeden Geschmack gibt es dort einen Tresen, von dem aus sich das Marktangebot lässig überschauen läßt.

Auch für Bob Silvers ist der Seaport schon mehrmals eine Fundgrube gewesen, wenn es galt, für eine Klientin herauszufinden, warum ihr Lebensgefährte so oft bis spät in die Nacht zu arbeiten hatte. Bob ist Privatdetektiv. Sein Geschäft floriert. Eine neue Klientel und verbesserte Arbeitsmethoden haben die Umsätze der Branche in den letzten vier Jahren verdoppelt. Immer mehr Singles in den Vereinigten Staaten wünschen einschlägige Auskunft. In der Mehrzahl sind dies alleinstehende Frauen, die dem neuen Partner nur zu gern vertrauen möchten, in diesen Zeiten der risikoreichen Romanze aber doch lieber auf Nummer Sicher gehen.

Herpes, Aids und der rapide Anstieg archaischer Geschlechtskrankheiten wie Syphilis haben die Single-Szene in eine Art Kasino des Russischen Roulette verwandelt. "Die meisten Leute halten doch irgendein Gespenst im Schrank versteckt", sagt die 32jährige Darla Greenwood einem Reporter in Chicago. "Ich möchte wissen, was es ist." Darla, die in den letzten zwei Jahren jeden ihrer vier neuen Verehrer "untersuchen" ließ, ist eine der wenigen Frauen, die sich dazu öffentlich bekennen.

"Die meisten Frauen kommen nicht einmal in unsere Büros. Sie geben uns ihre Informationen übers Telephon und schicken den ersten Scheck von 500 Dollar per Post", sagt Bob Silvers. "Die einen leben in der Angst, daß ihr Mißtrauen unbegründet ist, was den Verlust des Partners zur Folge haben könnte, wenn die Recherche auffliegen sollte. Die anderen haben Angst, daß ihre Befürchtungen zutreffen, und unterdrücken alle Warnsignale so lange, bis wir sie dokumentieren können. Dann ist es leider oft schon zu spät."

Ein typischer Fall aus seiner Praxis: Eine höhere Bankangestellte lebt seit sieben Monaten mit einem Mann zusammen. Sie befürchtet, der Mann sei bisexuell, und beauftragt die Detektei, ihn zu beschatten. Silvers schickt einen schwulen Freund in den Fitneßclub, in dem der Verdächtigte trainiert. Die beiden kommen ins Gespräch, der Mitarbeiter des Detektivs erhält ein eindeutiges Angebot. Die Frau beendet die Beziehung.

Nicht allein durch Aids läßt sich dieser Trend zum "Freund hört mit" erklären. Ein New Yorker Detektiv, den meine Nachfrage auf seinem Telephonbeantworter in Hongkong erreichte, sprach aus der großen Distanz über naheliegende Gründe: "Frauen heiraten heute später, machen Karriere, deren Früchte sie auch dem sprichwörtlichen Prinzen ohne Rückversicherung nicht mehr darzubieten gewillt sind." Diese Frauen wollen es einfach ganz genau wissen: Verdient er wirklich so viel Geld, hat er tatsächlich den College-Abschluß, was sagt seine Exfrau über ihn?