Von Gunter Hofmann

Leipzig, Ende Februar

Sie sei Organistin, stellte sich eine der jungen Sozialdemokratinnen vor, die sich beim Leipziger Parteitag der SPD um ein kleines Amt bewarben. Wenn es mal wieder eine gemeinsame Nationalhymne gebe und eine Orgel im Raum sei, dann würde sie die gern spielen.

Eine Theologin aus Halle, derzeit im "Babyjahr" vom Dienst beurlaubt, seit dem 7. November in der Partei, möchte helfen, im Parteirat die untergründige Spannung zwischen Nord und Süd in der DDR auszugleichen, die zwischen Frauen und Männern allerdings auch.

Der Lehrer aus Thüringen, Frührentner, "weil meine Wirbelsäule nicht in Ordnung ist, was aber nicht heißt, daß ich kein Rückgrat hätte", betont ganz besonders, daß er 35 Jahre lang in keiner Organisation war außer im Anglerverein. Jetzt möchte er sich um Rentenfragen kümmern.

Da bildet sich eine Partei aus dem Nichts, und sie lernt sich kennen dabei. Man weiß gar nicht recht, ob man sie, an unseren Maßstäben gemessen, Partei oder Bewegung oder irgendwie sonst nennen soll, der Charme des Unfertigen liegt noch darüber.

Nach jahrzehntelanger Unterbrechung gibt es sie also wieder, die SPD in der DDR. In Leipzig hat sie sich ein Statut und ein Programm gegeben und einen Vorsitzenden namens Ibrahim Böhme gewählt, alles ganz ordnungsgemäß, gründlich und brav. Die deutsche Revolution, wie sie seit dem Oktober genannt worden ist, geht über zum demokratischen Normalbetrieb.