DIE ZEIT

Allzu späte Einsicht

Ist dies schon Tollheit, so hat es doch Methode: Nicht einmal das ließ sich noch von des Kanzlers Krämpfen in der Frage der polnischen Westgrenze behaupten.

Vor dem Testfall

Mit diesem Ergebnis hatte niemand gerechnet, die Sieger nicht und noch weniger die Unterlegenen. Am vergangenen Sonntag haben die Nicaraguaner das Mandat ihres Präsidenten Daniel Ortega nicht verlängert, sondern Violeta Barrios de Chamorro, Spitzenkandidatin des Oppositionsbündnisses, zu seiner Nachfolgerin gewählt.

Ungeduldig

Vytautas Landsbergis, Musikprofessor und Dirigent der litauischen Volksbewegung Sajudis, hörte nur falsche Töne heraus, als Michail Gorbatschow im Januar um Geduld bat: „Warum werden wir gebeten zu warten? Hat Moskau denn Ost-Berlin gebeten, mit dem Einreißen der Mauer zu warten?“ Bei den Wahlen am Wochenende haben die litauischen Bürger eine weitere Mauer eingerissen.

Mit Faustkeil oder Fingerspitze?

Zwei Wochen vor den Wahlen in der DDR ist Deutschland so sehr mit sich selber beschäftigt, daß es wenig Einfühlungsvermögen und Verständnis für die ausländischen Partner aufbringt.

Katastrophen

Geöffnete Biergärten im Februar, vier Orkane in gut vier Wochen mit erschreckend vielen Todesopfern, kein Schnee auf den Pisten, wegen Sturm abgesagte Rosenmontagszüge – nein, dieser Winter verdient den Namen nicht, er ist eine Katastrophe.

Worte der Woche

Zeitspiegel

Alles Gute kommt von oben – auch aus dem Westen. Als die Leipziger SPD am vergangenen Sonntag das Sprichwort mit dem von hüben alimentierten Wahlkampf vermengte, tat sie jedoch des Guten zuviel.

Wolfgang Ebert: Einheit entzweit

„Wie lange dauert die Ehekrise schon?“ forschte Kummerlos. Klarer Fall: seit dem Mauerdurchbruch. „Und vorher?“ Vorher sei ihnen die Wiedervereinigung schnuppe gewesen.

DDR-Profile (V): Die Saat geht auf

Natürlich bröckelt immer noch der Putz, in diesem grauen Land fehlt viel Farbe. Aber auf den zweiten Blick wird der Wandel in der DDR auch in den entlegensten Ecken sichtbar.

DDR-Profile (IV): Der Moralist und die Macht

Der buschige Vollbart überwuchert jedes Mienenspiel, läßt das Gesicht völlig regungslos erscheinen. Versteinert beobachtet Markus Meckel, wie sein politisches Vorbild ein Menschenmeer auf dem Karl-Marx-Platz in seinen Bann schlägt: Zwei Schritte rechts von Willy Brandt steht er auf dem Balkon der Leipziger Oper, und allein das Flackern in den schmalen, grün-braunen Augen offenbart, daß der SPD-Ehrenvorsitzende auch seinen ostdeutschen Enkel anrührt.

Parteitag der PDS: Glück mit Hans?

Aufkleber und Anstecker mit so optimistischen Spruchen wie „Don’t worry – take Gysi“ oder „Take it Gysi“ konnten das PDS-Parteivolk kaum aufmuntern.

Ein Leben mit der Bombe: Blick zurück ohne Reue

Der elegante, weißhaarige Gentleman in den hellen Räumen der Atlantik-Brücke, einem Verein zur Förderung der deutschamerikanischen Beziehungen, hat kürzlich von sich selbst gesagt, er sei "ein ungewöhnlich glücklicher Mensch in einer schwierigen Zeit".

Erster Wahlgang am 18. März: Mit Blick auf den Herbst

Auf dem Nockherberg, einem Wallfahrtsort Münchner Zechbrüder, wird in den Biergärten ausgeschenkt! Man hielte die frohe Kunde für einen Faschingsscherz, würde einen nicht mitten im Winter der Lenz umschmeicheln.

Nachruf: Sandro Pertini: Ein Mann des Volkes

Ein Staatsbegräbnis und den üblichen Aufbahrungspomp verbat er sich energisch – und mit Erfolg. Denn auch am Ende seines fast 94jährigen Lebens wollte Sandro Pertini der Mann des Volkes und nicht die Repräsentationsfigur jener classe politica sein, die sich selbst gern zelebriert.

Weltbühne: Vive le Roi!

Vermeintlich von der Geschichte überholte Lösungen vermögen bisweilen in Zeiten politischen Umbruchs dem Fortschritt den Weg zu ebnen.

Nachruf: José Napoleon Duarte: Reformer ohne Erfolg

Staatstrauer für den früheren christdemokratischen Staatspräsidenten will die jetzige konservative Regierung El Salvadors nicht zulassen: Noch nach seinem Tod in der vergangenen Woche bleibt José Napoleon Duarte umstritten, bei Linken wie Rechten verhaßt.

Generalangriff gegen den Drogentod

Der Trick, mit dem die Rauschgiftfahnder in Hannover ihren Heroinkleinhändlern einen entscheidenden Schlag versetzen wollten, war trojanisch: An einem Mittag fuhren in der niedersächsischen Landeshauptstadt am Weißekreuzplatz, unweit des Hauptbahnhofes, drei Möbelwagen der Firma Ernst Beißner vor.

Aids-Bekämpfung: Verminderte Einsicht

Der "Bush"-Krieg gegen Drogen wird mit all seinen Ungereimtheiten auch hierzulande geführt. Gelegentlich werden dabei sogar Freund und Feind verwechselt.

Flaue Gefühle

Warum müssen Menschen eigentlich Angst haben, wenn die Zinsen steigen? Daß dies so ist oder wenigstens so sein sollte, suggerieren jedenfalls besorgte Berichte und Kommentare über den deutschen Kapitalmarkt.

Ortstermin im "Wilden Osten"

Am Grenzübergang Mustin hinter Ratzeburg, genau dort, wo Schleswig-Holstein aufhört und Mecklenburg beginnt, hat die CDU ein handgemaltes Plakat aufhängen lassen: "Wessies seid doch fair: laßt die Waren für die DDR".

Programm für Dresden

Die Elbe aufwärts! Schon lange bevor die Mauer zu bröckeln begann, hat sich die Freie und Hansestadt Hamburg die andere Elbmetropole, Dresden, zur Partnerstadt gewählt.

DG Bank: Pokerspiel

Können gute Genossen keine guten Bankiers sein? Kleine und größere Affären im Bereich der Volks- und Raiffeisenbanken haben diese Frage in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeworfen.

Wolfgang Hoffmann:: Abschied von Illusionen

Enquetekommissionen des Deutschen Bundestages sind zuweilen eine passable Zwischenlösung. Sie werden immer dann gern gebildet, wenn ein parlamentarischer Konsens bei der Lösung wichtiger gesellschaftspolitischer Probleme unmöglich geworden ist, obwohl er im Interesse aller läge.

DDR: Kein Rat vom Rat

In der DDR ist er ein Unikum, selbst in der Bundesrepublik gibt es von seiner Spezies nur wenige: Jörg Teich, Diplomingenieur und technischer Direktor des Volkseigenen Betriebs Apag in Potsdam, will gemeinsam mit zwei Kollegen aus der Geschäftsleitung seinen Arbeitgeber kaufen.

Europäische Gemeinschaft / DDR: Mehr Fragen als Antworten

Eine Bürokratie ist ratlos. Wenn es um die Vorbereitung der Brüsseler EG-Kommission auf die deutsche Einheit geht, muß Thomas Hertz, Kabinettschef von EG-Haushaltskommissar Peter Schmidhuber, unumwunden Unwissen eingestehen: "Bislang gibt es mehr ungelöste und nicht einmal gestellte Fragen als Antworten.

Langzeitarbeitslose: Nie an der Reihe

Hans Thielemann* aus Hamburg führt ein Leben wie in Zeitlupe. Was er macht, das macht er langsam. Jede Hast bedeutet Zeitgewinn, und Hans Thielemann will Zeit verlieren.

Wohnungsmarkt: Vorsicht Falle

Rund zwei Jahre lang hatte Bernd Seifert* für sich, seine Freundin und seine kleine Tochter eine geräumigere Wohnung gesucht.

Bayernwerk: Reich und unersättlich

Auf den ersten Blick erscheint die Bayernwerk AG wie ein ganz normales Unternehmen. Dieser Münchner Konzern verdient gutes Geld, er wächst, diversifiziert in neue Geschäftsfelder, und die Zukunftsaussichten sind erfreulich.

Japan: Ein ganz schlechtes Zeugnis

Japans alte und neue Regierungspartei ist enttäuscht. Die Wertpapierhändler im Lande signalisieren Alarm, Industrie und Anleger beschleichen Crash-Ängste.

Widersprüchliche Signale

Viel Hilfe für zuverlässige Analysen und Prognosen aber bieten die Zahlen offenbar nicht. Rein statistisch entspricht der Anstieg der US-Verbraucherpreise um 5,2 Prozent im Januar einer Jahresinflation von 13 Prozent – eine Prognose, die Notenbankchef Alan Greenspan eigentlich in Panik versetzen müßte.

Manager und Märkte

Toyota: Durchbruch beim Kat Hoechst: Druck von der Union Burda: Jagd auf Anzeigen

Neuer Fonds gegen Klärschlamm-Risiken: Die Ent-Sorger

Ja, das Ganze sei eine „schwierige Angelegenheit“, da will Berthold Peinemann gar nicht drum herumreden. „Wenn Sie sich den Klärschlamm anschauen“, sagt der Referent für Umweltschutz beim Deutschen Bauernverband in Bonn, „was da alles drin ist, und ständig finden sie neue Stoffe“ – da sei es kein Wunder, daß viele Landwirte verunsichert seien.

Automobilindustrie: Zwei an einem Steuer

Pehr Gyllenhammar und Raymond Levy haben sich schwergetan – erst bei den quälend langen Verhandlungen miteinander und dann, als die beiden Autobosse in der vergangenen Woche zu erklären suchten, wozu sie sich schließlich durchgerungen hatten.

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