Von Peter Christ

In der DDR ist er ein Unikum, selbst in der Bundesrepublik gibt es von seiner Spezies nur wenige: Jörg Teich, Diplomingenieur und technischer Direktor des Volkseigenen Betriebs Apag in Potsdam, will gemeinsam mit zwei Kollegen aus der Geschäftsleitung seinen Arbeitgeber kaufen. Im Westen nennt man das Management buyout, in der DDR gibt es noch keinen Namen für solche Transaktionen, die in den Vereinigten Staaten erfunden worden sind.

Entsprechend hilflos reagierte der zuständige Rat des Bezirkes Potsdam, als Teich dort Anfang des Jahres seine Absicht kundtat, gemeinsam mit seinen Kollegen Helmut Wandtke, dem Betriebsdirektor, und Jürgen Leonhard, dem Leiter der Produktion, die Aluminiumgießerei VEB Apag in Potsdam übernehmen und in eine GmbH umwandeln zu wollen. Der Rat war ratlos. Denn ein solcher Fall ist in der bis dato dem Staat gehörenden und von ihm gelenkten Industrie der DDR nicht vorgesehen. „Wir können Ihren Antrag nicht bearbeiten, es gibt keine Vorschriften“, wimmelten die verdutzten Funktionäre die drei Manager ab. Teichs Verdacht: Der Rat will den Betrieb unter seinen Fittichen behalten, weil die Funktionäre sonst funktionslos werden, also ihren Job verlieren.

Ähnlich reagierte die Staatsbank der DDR, wo Teich um Kredit für den Kauf der Gießerei bat. Wir haben keine gesetzliche Grundlage für Ihren Wunsch, wenn wir die Gesetze haben, können Sie wiederkommen, sagten die Staatsbanker und ließen den künftigen Unternehmer abblitzen.

Einzig das Kombinat Feuerlöschgeräte in Neuruppin hat den leitenden Leuten der Apag keine Schwierigkeiten gemacht. Die Gießerei paßt ohnehin nicht in das bunt zusammengewürfelte Konglomerat volkseigener Betriebe, die im Kombinat zusammengefaßt sind. Sie stellen so unterschiedliche Produkte wie Feuerlöscher, Maschinen, Kunststoffe, Campinghocker und bei der Apag Motorgehäuse, Zeltheringe, Türbeschläge, Bootsbeschläge und historische Leuchten her. Von Synergieeffekten kann in diesem heterogenen Gebilde keine Rede sein, die Betriebe mußten in dieses Kombinat, weil sie nirgendwoanders hineinpaßten.

Eine industrielle Perle ist die Apag nicht. Die Probleme des Betriebes sind typisch für viele Unternehmen in der DDR. Die technische Ausrüstung ist völlig veraltet. Etwa achtzig Prozent der Maschinen, schätzt Teich, stammen aus den dreißiger Jahren, der Rest aus den Jahrgängen 1950 und 1951. Teichs ganzer Stolz ist eine Fräsmaschine der bundesdeutschen Firma Deckel, die ist im vergangenen Jahr geliefert worden.

Die niedrigen, schmutziggrauen Gebäude sind um die Jahrhundertwende entstanden. Sie drängen sich auf einem pfützenübersäten Hinterhof, lassen nur schmale Gassen für Gabelstapler und Lastwagen, die sich an riesigen Drahtkörben mit Aluminiumbarren und Werkzeugen vorbeizwängen. Ein optimaler Fertigungsfluß ist unter diesen Umständen gar nicht zu organisieren.