Immer wenn der Bundesbildungsminister die Studenten befragt, erfährt er Neuigkeiten über Trends in Wirtschaft und Gesellschaft. Die ministerielle Umfrage „Studienerfahrungen und studentische Orientierungen“ bei 10 000 Studenten hat ergeben, daß in den letzten Jahren bei den jungen Akademikern alternative Orientierungen „in erdrutschartiger Weise“ an Boden verloren haben. Das Engagement für Umweltschutz läßt nach. Statt dessen sind Karriere und materieller Wohlstand in den Mittelpunkt gerückt. Die Bereitschaft zum Protest hat sich auf die persönliche Sphäre verlagert.

„Ist denn so etwas möglich?“ fragt Kollegin S. erschrocken, als Direktionsassistent Dr. Günter P. in der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) diese Umfrageergebnisse vorträgt. „Durchaus“, sagt Dr. P. „Wir wollen jetzt auch keine moralische Diskussion über Jugend und Umwelt führen. Wir haben einen Kundenauftrag. Wir wollen feststellen, wie junge Manager am schnellsten Karriere machen und zu hohen Einkünften kommen können. Wir werden dabei besonders japanische und amerikanische Erkenntnisse auswerten.“

„Die Japaner verraten nichts“, sagt Kollege M. „Das ist das Geheimnis ihres Erfolges.“

„In den USA“, sagt Kollege L., „schreibt das Wall Street Journal, der Weg an die Unternehmensspitze beginne künftig nicht mehr so sehr nach akademischer Ausbildung in Betriebswirtschaft und erfolgreichem Militärdienst in der Finanzabteilung des Unternehmens. Der typische Chief Executive des Jahres 2000 habe vielmehr französische Literatur und Ingenieurswissenschaften studiert, trete in die Forschungsabteilung ein, wechsele ins Marketing und zur Finanzierung, rette ein Joint-venture in Brasilien, spreche Französisch und Portugiesisch und rede die Handelsminister in vielen Ländern mit Vornamen an.“

„Portugiesisch ist schwer“, mault der junge R.

„Und die Handelsminister wechseln“, sagt M.

„Gibt es keinen besseren Weg für junge Manager zum großen Geld?“, fragt Dr. P.