Bukarests neue Machthaber bedienen sich der alten Methoden

Von Klaus Hensel

Bukarest, Ende Februar

Die Euphorie in Rumänien nach dem Sturz des Ceauşescu-Clans ist innerhalb weniger Wochen der Angst, dem Mißtrauen, der Furcht vor Terror und Gewalt gewichen. Wie zu Zeiten der Diktatur werden Gespräche nur noch flüsternd und mit angstvollem Blick über die Schulter geführt, Telephone mit Kissen zugedeckt, wenn etwas Vertrauliches mitgeteilt werden soll – Zeichen, daß dieses Land von einer Vertrauenskrise erschüttert ist.

Die Führung um Präsident Ion Iliescu, der Rat der Front zur Nationalen Rettung, hat keine Gelegenheit versäumt, um das Vertrauen aus den Tagen der Revolution aufs Spiel zu setzen. Widersprüchliche Äußerungen rumänischer Politiker haben maßgeblich dazu beigetragen. Dabei hat sich nicht nur der Alt-Stalinist Silviu Brucan hervorgetan, dessen Ansichten über die geringen Chancen einer Demokratie in Rumänien und dessen elitäre Auffassung über die Rolle der Politiker in der Gesellschaft von schwedischen Journalisten schlichtweg als faschistisch eingestuft wurden; auch Präsident Iliescu und Ministerpräsident Petre Roman sind durch zahlreiche Wendemanöver und mehrdeutige Äußerungen ins Zwielicht geraten. Roman ist zudem durch unrühmliche Verbindungen zum Ceauşescu-Clan – ihm wird eine „romantische“ Beziehung zu Tochter Zoe nachgesagt – ins Gerede gekommen. Selbst die Glaubwürdigkeit der Integrationsfigur Iliescu hat auf verhängnisvolle Weise Schaden genommen.

Mit der Einschränkung der Demonstrationsfreiheit auf Straßen und öffentlichen Plätzen fing es an. Es war ein Fehler Iliescus zu glauben, daß man eine Freiheit, die sich die Bevölkerung unter den Kugeln von Armee und Securitate erkämpft hatte, mit der Androhung von Militär- und Polizeigewalt wieder zurücknehmen könne. Resultat dieses Trugschlusses sind die täglichen Demonstrationen – ob genehmigt oder nicht – auf der Bukarester Hauptstraße Piata Victoriei. Schaden hat das Ansehen von Präsident Iliescu auch durch die Organisation einer Jubelkundgebung am 29. Januar genommen, die mit gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Parteizentralen der Opposition endete. Mit Sonderzügen, Bussen und Lastwagen wurden Bergarbeiter aus der Schicht abgeholt und nach Bukarest gebracht.

Eine klägliche Rolle hat das „freie“ Rumänische Fernsehen gespielt, das seit dem Tag, als es demagogische Appelle zur Rettung der Front ausstrahlte, das Attribut „frei“ zu Unrecht trägt.