Umweltschutz und Tourismus“ zählt zu den wohlfeilen Themen, die als Tagungsmotto ehren, anerkennende Resonanz finden, aber nur bedingt Taten zeitigen. Die meist mehr Engagierten als Einflußreichen entwerfen Szenarien voll utopischer Ideale, und die Entscheidungsträger, die aus allem ein Körnchen Praktikables herauspicken könnten, machen sich rar. So jüngst geschehen in München.

Das Deutsche Institut für Tourismus hatte zu einem Treffen mit dem schwammig-modischen Motto „Ökologisches Marketing im Tourismus“ gebeten. Geladen waren Fremdenverkehrsvereine und -verbände, Fluggesellschaften und Reiseveranstalter, gekommen war kaum jemand von den großen Unternehmen, die millionenfach Urlauber verschicken, von den Ländern, die ihre Umwelt preisgeben, von den Hotelkonzernen, die an den Küsten klotzen.

Wer nicht ohnehin von der Prämisse ausgeht, Umweltschutz und Tourismus seien unvereinbar, der konnte durchaus Vorschläge aus dem Reich des Realen vernehmen.

Dem Touristiker mit Sinn fürs Machbare mag es zwar an der Phantasie mangeln, sich vorzustellen, daß demnächst der Boß eines Verkehrsbüros nur noch dienstradelt, daß umweltschutzmotivierte Mitarbeiter ihrer Ideale und des Firmenleitbildes wegen auf mehr Gehalt verzichten, daß Urlauber dem Swimmingpool entsagen.

Warum aber nicht beim Wanderurlaub in den Alpen auf die Anreise mit dem Auto verzichten? Warum nicht den Hoteleinkäufern eine Kriterienliste an die Hand geben, mit der sie nach ökologisch sinnvoll eingerichteten Häusern Ausschau halten können? Die wären, heimische Materialien nutzend, raum-, wasser- und energiesparend an einem Standort zu errichten, der die vorhandene Infrastruktur nutzt. Und warum könnte nicht in Zukunft ein Veranstalter für Reisen in die Dritte Welt auch wirtschaftlich reüssieren, der seine kleinen, von kundigen Reiseleitern begleiteten Touristengruppen in lokalem Ambiente wohnen und an der Alltagskultur teilhaben läßt. Sie könnten im Urlaubsland mit der Bahn statt mit dem Flugzeug transportiert und mit heimischen Produkten verpflegt werden.

Auf zwanzig Prozent schätzt der Studienkreis für Tourismus das Urlauberpotential für umweltfreundliche Ferien. Möglicherweise wäre die Zahl niedriger, wenn die Frage nicht lautete „Bemerkten Sie Umweltprobleme?“, sondern direkt auf liebgewordene Gewohnheiten zielte wie: „Sind Sie bereit, auf eisgekühlte Cola-Dosen und warme Duschen zu verzichten?“ oder „nicht mehr Ski zu fahren, wenn es auf dem Gletscher eng wird?“

Würde Ernst gemacht, dann bedeutete dies für den Urlauber ein bißchen Komfortverzicht – keine Aircondition, keine abgepackten Wurst-, Butter-, Marmeladen-Plastikdöschen, keine frischen Handtücher täglich – und die Ökotour nach Mallorca würde vielleicht hundert Mark teurer.