Das Saarland verschickt Übersiedler nach Lothringen

Saarbrücken

Das Städtchen Farébersviller in Lothringen habe eine „gespaltene Identität“, pflegt der parteilose Bürgermeister Laurent Kleinhentz zu erzählen. Im Tal – das alte Dorf: verschlafen, traditionell, mit einer kleinen Kirche. Am Nordhang – die Cité: eine betonierte Arbeitersiedlung, kaum zu überblicken, mit einer neuen Moschee, einem „Haus der Sizilianischen Familien“ – und nun auch mit einem Auffanglager für Übersiedler aus der DDR.

Am Ende dieser Woche, so plant es die neue saarländische Sozialministerin Christiane Krajewski (SPD), sollen die ersten achtzig Übersiedler den Saarbrücker Grenzübergang „Goldene Bremm“ überschreiten und ihr Quartier im fünfzehn Minuten entfernten Farébersviller beziehen. Dort, in der Avenue Victor Hugo, sollen insgesamt 200 bis 250 Übersiedler unterkommen. Eine deutsche Kolonie, inmitten der Cité, wo man statt Deutsch eher Arabisch, Türkisch und Französisch spricht.

Die Sozialministerin hat für die Verschickung gute Gründe. Im kleinsten Flächenbundesland der Republik herrschen Wohnungsnot und Stellenmangel. Turnhallen und Schulen drohen wegen des Zustroms von Übersiedlern aus allen Nähten zu platzen. In Farébersviller sieht man den Neuankömmlingen gelassen entgegen. „Hier leben gegenwärtig Menschen aus 26 verschiedenen Nationen“, sagt Bürgermeister Kleinhentz. „Jetzt kommt halt die 27. Nation hinzu: Die werden wir auch noch aufnehmen können, oder?“ Die Lothringer seien doch alles in allem ein „verträgliches Völkchen“. Ihre Zweisprachigkeit werde schon helfen, die Übersiedler einzugliedern. Ressentiments aus der Zeit der Besatzung seien ausradiert. Der Bürgermeister hoffnungsvoll: „Angesichts der Perspektive eines geeinten Europas müssen wir uns einfach verstehen.“

Paolo ist ein Sarde, der früher in den nahen Kohleminen arbeitete und heute von seiner Rente lebt. Er stimmt Kleinhentz im Grundsatz zu: „La France ramasse tous Frankreich sammelt sie alle auf. Dieses Land lasse die Menschen miteinander verschmelzen. Das klingt zuversichtlich. Doch gleich schiebt Paolo skeptisch eine Frage nach: „Weiß man denn schon, wie lange sie bleiben wollen?“

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