Staatstrauer für den früheren christdemokratischen Staatspräsidenten will die jetzige konservative Regierung El Salvadors nicht zulassen: Noch nach seinem Tod in der vergangenen Woche bleibt José Napoleon Duarte umstritten, bei Linken wie Rechten verhaßt. Der 1925 geborene Duarte hat Höhen und Tiefen erlebt: Folter und Exil, Wahlsiege und Verfolgung durch Extremisten. Er war Bürgermeister der Hauptstadt San Salvador und Präsident (1984–89) mit und ohne Mehrheiten, Verräter für viele, Patriot für wenige. Bis zur Entdeckung eines unheilbaren Krebsleidens 1988 hatte er knapp ein Jahrzehnt die Politik El Salvadors maßgeblich, aber erfolglos bestimmt.

Duarte, ein sozialer Aufsteiger, verließ sein Milieu durch Fleiß und auch viel Glück, ohne von der landbesitzenden Oligarchie akzeptiert zu werden. Er war ein Reformer, der das revolutionäre „Alles oder nichts“ seiner früheren Freunde schließlich ablehnte. Sein Versuch, eine politische Mitte aufzubauen, scheiterte. Daß er dazu die Hilfe der Vereinigten Staaten annahm, isolierte ihn; seine Unfähigkeit, Armee und Polizei an Terror und Gewalt zu hindern, diskreditierte ihn. Die bürgerliche Reformmitte wurde von den Realitäten zerrieben.

El Salvador wird heute wieder von der Rechten regiert. Die linke Guerilla hat den Umsturz, anders als in Nicaragua, nicht geschafft. Duarte hat zu seiner Zeit nie ernsthaft versucht, die Extreme miteinander zu versöhnen. Seine entschuldigende Rechtfertigung, nur die Christdemokraten könnten Schlimmeres verhüten, war sachlich richtig, politisch aber verheerend. Schon Mitte der achtziger Jahre kehrte seine Partei ihm den Rücken zu.

In seiner Autobiographie steht der Satz: „Ich wurde Präsident, um die Demokratie zu finden.“ Es gab sie nicht zu seiner Zeit. H. B.