Perus Präsidentschaftskandidat Mario Vargas Llosa ist einer der letzten Hoffnungsträger

Von Wilhelm Wiese

Wahr ist bekanntlich, was geglaubt wird, und geglaubt wird, daß die drückende Last der Auslandsschulden Ursache für die wirtschaftliche Misere Lateinamerikas ist: Der Schuldendienst läßt die Volkswirtschaften ausbluten. Devisen, die dringend für die Entwicklung der Schuldnerstaaten benötigt werden, fließen an jene, die wahrlich genug davon haben: die Gläubiger in den Industriestaaten. Wenn das wahr ist, so muß auch wahr sein, daß die Lösung im Erlaß der Schulden zu suchen ist.

Peru ist ein hochverschuldetes Land. Etwa zwanzig Milliarden Dollar Auslandsschulden bei rund 22 Millionen Einwohnern, einem Bruttoinlandsprodukt von ungefähr fünfzehn Milliarden Dollar und rund drei Milliarden Dollar Exporterlösen. Und Peru liegt wie kaum ein anderes Land wirtschaftlich am Boden. Wegen der drückenden Last der Schulden, deren Bedienung durch Tilgung und Zinsen das Land auszehrt? Klingt plausibel, ist aber falsch.

Seit Amtsantritt von Präsident García im Juli 1985 ignoriert Peru seine Auslandsschulden und bedient sie nicht. Bisher wurden so annähernd zehn Milliarden Dollar „gespart“ und dennoch die Wirtschaft ruiniert. Die Frage ist also berechtigt: Sind die Volkswirtschaften Lateinamerikas marode, weil die Schulden zu einem akuten Problem geworden sind? Oder ist das Schuldenproblem akut, weil die Volkswirtschaften und die sie tragenden Theorien, Ideologien, Gesellschaften, Regierungen und Bürokratien marode sind?

Lateinamerika droht zum Flohmarkt abgelegter Ideologien zu verkommen. Interne Übel haben grundsätzlich externe Ursachen, meinen die Lateinamerikaner. Schuld so ziemlich an allem, was schiefläuft – und das ist derzeit so ziemlich alles –, sind der Kapitalismus und Imperialismus der Industriestaaten, sprich Gläubigerstaaten.

Von externer Abhängigkeit wollte und will Lateinamerika sich befreien. Folgerichtig wurde der Politik der Importsubstitution eindeutiger Vorrang vor der Exportförderung eingeräumt. Ein verhängnisvoller Fehler, wie der Vergleich mit ostasiatischen Staaten eindrucksvoll verdeutlicht, die großen Erfolg mit ihrer exportorientierten Politik haben und dabei längst nicht so reich an natürlichen Ressourcen sind wie die meisten Staaten Lateinamerikas.